Jever - Jonas wirkt nervös. Er rennt durch sein ehemaliges Klassenzimmer und tastet unter einige Tische. „Wo ist er?“ brüllt Jonas. Schließlich hat er ihn gefunden, erleichtert holt er einen Zettel hervor. „Diesen Brief habe ich an meinen Freund Mo geschrieben und hier versteckt.“ Dann erzählt Jonas seine Geschichte.
Schon seit Dezember 2013 besucht der Schauspieler Jonas Schlagowsky vom Nationaltheater Weimar Schulen mit dem Klassentheaterstück „Deine Helden – meine Träume.“ Nun besuchte der 27-Jährige seine tatsächliche ehemalige Schule, das Mariengymnasium Jever.
In einem Monolog erzählt er von seiner schweren Kindheit, dem Aufwachsen ohne Vater, den Auseinandersetzungen mit seinem Stiefvater, der ihn sogar schlägt. Dann, mit zwölf Jahren, beginnt Jonas mit dem Boxen, der Boxverein wird zu seiner Ersatzfamilie. Unter den Sportlern ist auch Mo, ein Ausländer, zu dem Jonas eine enge Freundschaft aufbaut.
Rechtsradikale Szene
Obwohl Jonas allmählich in die rechtsradikalen Szene abrutscht, hält er zunächst weiterhin zu Mo. Doch dann verlieben sich beide Jungs in dasselbe Mädchen. Und als Jonas schließlich seinen besten Freund zusammen mit seiner großen Liebe erwischt, dreht er vollkommen durch und verrät Mo an eine Gruppe Nationalsozialisten, die den Ausländer verprügeln. In einem Brief entschuldigt er sich schließlich.
Es ist ein Wechselbad der Gefühle, die Jonas in seinem Monolog durchlebt. Mal klingt er ruhig und gelassen, schwärmt von seiner großen Liebe; Mal brüllt er durch den Raum, schlägt mit ganzer Kraft auf den Tisch, um die durchlittenen Enttäuschungen zu verdeutlichen.
Jonas Schlagowsky erzählt seine Geschichte so glaubhaft, dass man am Ende ein wenig Zeit braucht, um zu realisieren, dass es sich um ein Theaterstück handelt. Immer wieder läuft er durch die Reihen und unterhält sich direkt mit den Schülern.
Ehemaliger Klassenraum
Im Stück besucht Jonas seinen ehemaligen Klassenraum – nun war der Schauspieler auch im realen Leben in seiner alten Klasse. „Schon zu Beginn der Aufführungen habe ich gesagt, dass ich das Stück mal hier aufführen möchte“, erzählt Schlagowsky nach der Aufführung. Gerne spricht er mit den Schülern noch über das Stück. „Es ist schön zu sehen, was aus unserem ehemaligen Schüler geworden ist“, freut sich auch Lehrer Dr. Martin Lichte.
