Bremerhaven - Auch wenn die Deutsche Oper Berlin gerade Puccinis Oper „La Rondine“ („Die Schwalbe“) herausgebracht hat, so ist sie auf den Bühnen doch eine veritable Rarität. Das Stadttheater Bremerhaven feierte am Sonnabend die Premiere einer gelungenen Inszenierung.
Mehrere Fassungen
Die Begegnung mit Puccinis lyrischer Komödie ist unbedingt lohnend: Wunderbare Kantilenen, melodischer Reichtum, große Chorszenen und eine Herz-Schmerz-Geschichte sind die Zutaten der „Rondine“, die ursprünglich als Operette geplant war. Aber letztlich ist das Werk mit seinen leidenschaftlichen Duetten und Arien und mit dem Chor im zweiten Akt doch eine richtige Oper geworden, die mitunter an „La Boheme“ erinnert und in der Instrumentation auch auf „Gianni Schicchi“ verweist.
Es passiert nicht viel in der Oper: Zunächst wird mit dem Dichter Prunier über die Liebe philosophiert, dann verlieben sich Magda, die Geliebte Rambaldos, und der junge Ruggero ineinander, um sich dann wieder zu trennen. Für den Schluss gibt es mehrere Fassungen. Eigentlich lässt Magda den völlig verzweifelten Ruggero zurück, aber in der in Bremerhaven gespielten Version verstößt Ruggero seine Geliebte.
Regisseur Philipp Kochheim lässt die Geschichte in einem Opernhaus spielen. Wir befinden uns somit zunächst auf einer Konzeptionsprobe, dann auf einer Bühnenprobe und schließlich nach der fiktiven Premiere in der Künstlergarderobe. Der Dichter Prunier fungiert als Regisseur, Rambaldo ist der Intendant, Ruggero ein Tenor, der zum Vorsingen erscheint. Kochheims Sichtweise ist geschickt, denn dadurch sind die Gefühle per se zunächst nur gespielt und die Grenzen zwischen Schein und Realität fließend. Die Personenführung ist ausgefeilt und spart nicht mit kleinen Seitenhieben auf den Opernbetrieb.
Die bekannteste Arie ist „Che il bel sogno di Doretta“, die von Katja Bördner mit traumwandlerischer Sicherheit und Höhenglanz gesungen wurde. Ihre Gestaltung der Magda, elegant im Hosenanzug und lässig eine Zigarette rauchend, faszinierte gesanglich und darstellerisch.
Berührendes Finale
Als Ruggero gastierte Daniel Szeili, dessen Tenor mit schöner Mittellage erfreute. Aber er differenzierte zu wenig und hatte in den Höhen Probleme. Tobias Haaks hingegen überzeugte als Prunier mit weichem und schmelzreichem Tenor rundum. Die von ihm verehrte Lisette fand in Regine Sturm eine quirlige Interpretin. Filippo Bettoschi sang den Ramboldo sehr souverän. In kleineren Partien sammelten Studentinnen der umliegenden Hochschulen für Musik erste Bühnenerfahrungen.
Marc Niemann und die Bremerhavener Philharmoniker erweckten die melodienselige Musik mit Herzblut zum Leben. Sie tauchten sie mit viel Sinn für die großen Aufschwünge in Puccinis Klangwelten ein. Großartig gelangen die Chorszenen (in der hervorragenden Einstudierung von Jens Olaf Buhrow) und das berührende Finale.
