Jever - Er hat sich in seinem Leben nicht nur der Kunst gewidmet, sondern auch der Literatur und sogar der Musik: Georg von der Vring scheint ein facettenreicher Mensch gewesen zu sein. „Und dabei ist ein Großteil seines Gesamtwerks noch unerforscht“, erzählte die Bibliotheksleiterin des Mariengymnasiums Jever Dr. Anja Belemann Smit.
Das sollte sich ändern: Zur Auftaktveranstaltung der Themenwoche zu Georg von der Vring stellte die Schule am Mittwoch neben Vorträgen und einer Ausstellung zum Künstler die Welturaufführung seiner „Hymne an Europa“ vor.
Wie berichtet, war Georg von der Vring (1889 bis 1968) von Dezember 1919 bis Oktober 1928 als Zeichenlehrer am Mariengymnasium tätig. Am 30 Dezember 2014 wäre er 125 Jahre alt geworden – Anlass genug für die Bibliothek, eine Themenwoche rund um von der Vring zu gestalten.
Dr. Markus Gärtner stellte seine Forschungsarbeit unter dem Motto „Fragen und Stolpersteine: Wege zu Georg von der Vrings ,romantischer‘ Musikästhetik“ vor. Denn von der Vring war nicht nur Zeichenlehrer am Mariengymnasium, sondern offenbar auch Musiklehrer. Er hat sowohl den Schulchor als auch das Schulorchester geleitet.
Anhand eines neu entdeckten und undatierten Notenblatts zu von der Vrings „Hymne an Europa“ führte Gärtner „Stolpersteine“ zur musikgeschichtlichen Einordnung auf. Ein Stolperstein: Das Stück schien auf den ersten Blick sowohl romantische Musikästhetik aufzuweisen – beispielsweise die Vortragsweise – , als auch Züge der Wiener Klassik – wie der Hinweis „Nach der Melodie von Joseph Haydn“, einem Komponisten, der noch vor der Romantik einzuordnen ist. Doch Gärtner fand heraus: „Damit war offenbar die Haydn-Variation gemeint, die eigentlich von Johannes Brahms stammt“ – einem Komponisten der Romantik.
Großen Applaus bekamen im Anschluss die Schüler der Klasse 5a, die unter der Leitung von Frauke Harland die „Hymne an Europa“ vorstellten.
Dr. Georg Wagner-Kyora widmete sich dem Thema „Georg von der Vring als politischer Dichter der Weimarer Republik“. Dabei stellte er anhand literatarischer Werke den politischen Einfluss auf den Künstler heraus. Sein Fazit: Offenbar gab es einen Wandel von einer kritischen zu einer affirmativen Soldatenansicht. „Besonders in seinem Werk ,Soldat Suhren‘ erkennt man eine Antikriegsliteratur“, so Kyora. „Doch nach 1933 duckte sich Georg von der Vring zu stark unter der Knute der Nationalsozialisten und ließ sich politisch instrumentalisieren.“
Werner Menke lobte den Vortrag: „Ausgezeichnet, dass Sie auch den kritischen Teil während des Nationalsozialismus’ herausgearbeitet haben – diese ambivalente Rolle wurde bisher noch nicht so verdeutlicht.“ Kyora betonte aber auch: Später habe sich von der Vring gegen das NS-Regime gewandt.
Dr. Anja Belemann-Smit bedankte sich für das Engagement der Lehrer. Dazu eröffnete sie die Ausstellung „Gemalte Porträts und illustrierte Gedichte zu Georg von der Vring“ die Schüler im Kunstunterricht von Falk Teichert erstellten. Und so endete ein facettenreicher Abend – nicht nur mit Kunst, sondern auch mit Literatur und sogar Musik.
