Neuenlande - Jedes Mal, wenn sie nach Neuenlande kommt, empfindet Elisabeth Kühling das „wie ein Abtauchen in eine andere Welt“. Die Streusiedlung ganz im Norden der Gemeinde unterscheidet sich vom Rest Ganderkesees landschaftlich wie strukturell. Und auch historisch, denn Neuenlande ist viel jünger als seine Nachbardörfer: Erst vor rund 220 Jahren wagten sich die ersten Siedler ins Moor, um es zu kultivieren.
In diese Zeit will Elisabeth Kühling zurückschauen: „Spannendes aus 200 Jahren Moorsiedlungs-Geschichte“ bietet ihre Landpartie am Sonntag, 12. Juni. Treffpunkt ist um 10 Uhr der Hof Struß an der Ecke Neuenlander Straße/Kanalstraße. Damit starten die Gästeführerin und ihre Begleiter ziemlich genau bei der Keimzelle Neuenlandes.
Denn nur ein paar hundert Meter weiter im Westen, dort wo der Vollersweg in die Kanalstraße mündet, ließ sich 1790 Claus Schriever nieder – als erster Kolonist in dem über Jahrhunderte als lebensfeindliche Einöde gemiedenen Moor. Zwei Jahre später folgte ihm Johann Hinrich Struß – sein Hof, der mehr als hundert Jahre auch eine Gaststätte war, ist nicht nur einer der größten in Neuenlande, sondern auch der einzige, der seit der Erstansiedlung im Besitz der gleichen Familie geblieben ist.
Die beiden Pioniere mussten hart arbeiten, waren mit dem Torfabbau aber relativ schnell wirtschaftlich erfolgreich, weiß Elisabeth Kühling: „Die Behörden sahen das mit Erstaunen. Offenbar war aus dem Moor doch etwas zu machen.“ Also gaben sie einen Teil des Staatsmoores zur Besiedlung frei. 1804 gab es in Neuenlande bereits 17 Hofstellen und eine Schule – fast alle in einem Karree, das von der Kanalstraße und der Neuenlander Straße eingegrenzt wurde. Viel größer wurde die Siedlung danach nicht mehr.
Für die meisten der neuen Siedler waren die Zeiten hart: „Den ersten sien Tod, den tweten sien Not, den dritten sien Brod“ – diese plattdeutsche Beschreibung der Moorkolonisation über drei Generationen galt auch für Neuenlande. „Zuerst mussten ganz viele tiefe Gräben gezogen werden“, beschreibt Elisabeth Kühling die Herausforderungen. „Trotzdem standen die Weiden oft über Monate unter Wasser.“ In schlechten Jahren mussten die Familien hungern und waren auf Hilfe von Angehörigen außerhalb des Moores angewiesen.
Die Gästeführerin wird Leben und Alltag der ersten Moorsiedler schildern, aber sie will auch zeigen, wie idyllisch es sich heute in Neuenlande leben lässt. Ein zum Wohnhaus umgebautes ehemaliges Heuerhaus wird im Zuge der Landpartie auch besichtigt.
