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NWZonline.de Nachrichten Kultur

GESCHICHTE: Von wegen bräsiger Opa

01.12.2007

OLDENBURG Der Begriff „Geschichtspolitik“ komme in seinem Werk öfter vor, erläutert Autor Wolfram Pyta. Stimmt, wirft sein Gegenüber ein, „an die fünfzehnhundert Mal. Ich habe ,Wiederholung’ an den Rand geschrieben.“

Wolfram Pyta, Professor für neuere Geschichte an der Uni Stuttgart und Leiter der „Forschungsstelle Ludwigsburg“ zur Erforschung der NS-Verbrechen, hat eine 860 Seiten starke Hindenburg-Biografie verfasst. Ihr verdankte sich seine Einladung zur zweiten Halbjahressitzung des „Historischen Quartetts Oldenburg“ im Vortragssaal der Oldenburgischen Landesbank.

Mit seinem Aperçu setzte Ernst Hinrichs (Potsdam/ Oldenburg) die einzige kritische Note in die von ihm selbst, Eva Hahn (Oldenburg) und Heinrich Schmidt (Oldenburg) angestimmten Lobeshymnen: „äußerst erhellend“, „akribisch recherchiert“ und bei allem Umfang „atemberaubend spannend“ sei Pytas Werk, „eine kleine Sensation“.

Sensation, weil es die gesamte bisherige Hindenburg-Biografik zu Makulatur mache, indem sie deren Bild vom bräsig-tumben Opa, der „nur zwei Bücher kennt: die Bibel und die Dienstvorschriften“, gründlichst revidiere. Pyta schildert Hindenburg als einen politisch kalkulierenden Kopf, den Demokratieverachtung wie der Glaube an eine deutsche Volksgemeinschaft umtrieben. Listenreich und eitel habe er seine politischen Ziele mit der Glorifizierung seiner eigenen Person zu verbinden gewusst: zu seinem Memoiren-Schreiber machte er einen Untergebenen, den er später als Leiter des Reichsarchivs einsetzte.

Der (in Wahrheit substanzlose) Mythos des „Siegers von Tannenberg“ fußte auf solch geschickter „Geschichtspolitik“ ebenso wie die Mär von der nur geringen Mitschuld an der Niederlage im Ersten Weltkrieg oder später die Legende vom gütigen „Vater aller Deutschen“.

In Wirklichkeit habe Hindenburg seine jeweiligen politischen „Lebensabschnittsgefährten“ von Ludendorff bis zum Kaiser instrumentalisiert, um seine eigene Herrschaft zu stabilisieren – stets bedacht auf die Pflege des eigenen Charismas, insofern Ludwig XIV. nicht unähnlich, wie Hinrichs abschließend anmerkte.

Zwei neue Sammelbände berühmter Historikerkollegen wurden von den ständigen Vertretern des Historischen Quartetts spürbar reservierter aufgenommen: Johannes Frieds Buch „Zu Gast im Mittelalter“, eine Aufsatz- und Vortrags-Sammlung des führenden Mediävisten, und schließlich „Auf ewig in Hitlers Schatten?“ von Heinrich August Winkler, eine Sammlung von Leitartikeln und Feuilletonbeiträgen, beides gut lesbar, aber ohne besonderen Erkenntniswert.

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