Berne - Der Termin für eine Lesung von Dr. Klaus Modick wurde vereinbart, als sein aktuelles Werk „Konzert ohne Dichter“ noch gar nicht auf dem Markt war. Dass sich dieses kluge, locker-leichte und unterhaltsame Buch zum Bestseller entwickeln würde, war bei den Planungen der 5. Berner Bücherwochen noch nicht abzusehen, begrüßte Initiator Reinhard Rakow die Gäste in der Kulturmühle, bevor er dem Autor für eine Zeitreise in die Anfänge des letzten Jahrhunderts die Bühne überließ.

„Es war die Zeit der Jugendstilbewegung und die Suche nach neuen Kunst- und Lebensformen, die sich jenseits von Metropolen und Moral in der Künstlerkolonie Worpswede entwickelte“, begann Modick. Heinrich Vogeler, erfolgreich als Maler, Zeichner oder Kunsthandwerker, der Möbel oder Gebrauchsgegenstände gestaltete, war bereits ein Star, als er seinen noch unbedeutenden „Seelenverwandten“ René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke erstmalig Weihnachten 1898 auf seinen Barkenhoff einlud.

Mit feinem Humor rückte Modick diese Glanzzeit Worpswedes und ihre Künstler in ein ganz neues Licht. Eher verkniffen wirken die Protagonisten auf Vogelers Bild „Konzert ohne Dichter“, bei genauem Hinsehen. Besonders fielen der leere Stuhl und das Fehlen Rilkes auf, erläuterte der Schriftsteller nach dem Ende seines Vortrags.

Ganz anders habe man Rilke im Deutschunterricht kennengelernt, hieß es aus dem Publikum. Modick betonte, dass zwar nicht jede Floskel des Romans ein Zitat sei, jedoch alles absolut dem O-Ton Rilkes entspreche. Anders, als die ausgewählten Textstellen vielleicht vermuten lassen, gehe es in diesem Buch jedoch vornehmlich um das Leben Vogelers, in dem Rilke als Figur interessant war.

Zwei Jahre hätten die Recherchen und das Schreiben des Buches gedauert. Das Gruppenbild, an dem Vogeler fünf Jahre malte, sei der Anlass für die Spurensuche und das Buch gewesen, und nicht etwa der Dichter, hieß es weiter.

Modicks „Konzert ohne Dichter“ hätten sie und ihre beiden Begleiter selbstverständlich schon gelesen, freute sich Heidrun Steinhauer über die Widmung, die der Autor am Ende der Veranstaltung gerne ins Buch schrieb.