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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Uraufführung In Pforzheim: Klaus Modicks Roman „Sunset“ dramatisiert

11.11.2014

Pforzheim /Oldenburg In dichter Nachbarschaft wohnten hier die Manns und die Werfels, Brecht und Ferdinand Bruckner und blickten auf den Stillen Ozean. 1956 waren aber nur noch Marta und Lion Feuchtwanger übrig. Die anderen waren tot oder nach Europa zurückgekehrt.

Das Schreiben, heißt es, sei Feuchtwanger zur Heimat geworden. Marta ist in der Stadt, das Hausmädchen hat frei, es klingelt: Der 72-jährige Feuchtwanger erhält das Telegramm mit der Nachricht vom Tod Brechts. Da setzen Klaus Modicks Roman „Sunset“ und die daraus destillierte Dramatisierung von Dirk Olaf Hanke und Torsten Schilling ein, die jetzt am Theater Pforzheim ihre Uraufführung erlebte.

Durch das breite Fenster schaut man auf Palmen. Im gleichen Maße, wie Feuchtwangers Gedanken abschweifen, schwenkt der Blick von Pacific Palisades zu den Eisblumen in der Münchner Wohnung, wo der Erfolgsschriftsteller erstmals vom jungen Brecht besucht wurde, der ihm seinerzeit die künftigen „Trommeln in der Nacht“ vorlegte.

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Klaus Modick BILD: T. von Reeken

Zum Romanautor

Klaus Modick (63) lebt als Schriftsteller und Übersetzer (unter anderem von Robert Louis Stevenson) in Oldenburg. Sein Buch „Sunset“ veröffentlichte er im Jahr 2011.

Nur das von Steven Koop mit Art-Deco-Beistelltisch und wuchtiger Sitzgarnitur museumsreif ausgestattete Zimmer verweist auf die Villa Aurora, den zur Künstlerresidenz ausgebauten Wohnsitz der Feuchtwangers bei Los Angeles. Dort lebte 2009 auch Klaus Modick, der zwei Jahre darauf seinen Roman „Sunset“ vorlegte. Ist der knapp 200-Seiten-Roman eine subtile Künstlerstudie, eine Reflexion über Freundschaft, Arbeit, Exil und Heimat, ein Sinnieren über deutsche Worte („heimsuchen“), eine Erinnerung an große kalifornische Abende und Ahnung des Endes, des „Sonnenuntergangs“, so bleibt die 75-minütige Bühnenfassung seltsam blutleer und trotz des heftigen Zutuns der Regie undramatisch.

Der Text – auf drei Akteure verteilt, die teilweise in vielen Episodenrollen auftreten – ist zwar präzise dem Buch entnommen, doch mehrfach erwischt man sich bei dem Gedanken, dass man lieber zum guten Buch greifen als diesem braven Oberstufenseminar über Exil-Literatur folgen möchte.

Markus Löchner kann – unter anderen als ruppiger Lederjacken-Brecht und Samuel Goldwyn – auf sein Handwerk vertrauen. Dagegen erfasst Peter Christoph Scholz den Vater Brechts, der lamentiert, weil „all das schöne weiße Papier“ von den Schriftstellern beschrieben wird, und die weiteren Rollen nur ansatzweise. Zusammen geben sie eine unnötige Reich-Ranicki-Nummer, singen und betätigen sich an Gitarre, Geige und Keyboard. „Sunset – All das schöne weiße Papier“ bleibt ein fahriges Mäandern durch die Zeiten von den Säuberungen der Nazis über Emigration bis zu den Befragungen durch die US-Einwanderungsbehörden. Da schließlich geht die diskutable Besetzung des Feuchtwanger mit einer Frau auf.

Hatte sich Joanne Gläsel zunächst nachdrücklich an den Hosen nestelnd der Herausforderung gestellt, staksig Kniebeugen – nach der 41. tritt das ahnungsvolle Seitenstechen auf – und Liegestütz absolviert, gelingt es ihr mit präziser Sprach- und Gestaltungskunst immer dichter an den Schriftsteller am Ende seines Wegs heranzurücken und eine vertrauensvolle Intimität herzustellen.

Nikolaus Schmidt, Autor des Textes, ist Theaterkritiker der Zeitung „Badische Neueste Nachrichten“.

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