Rastede - Er gilt als der berühmteste und volkstümlichste Oldenburger Herrscher. Die Rede ist von Graf Anton Günther, der vor 350 Jahren am 19. Juni in Rastede verstarb. Anlässlich seines Todestages hat Gemeindearchivarin Margarethe Pauly sich intensiv mit der Geschichte des Grafen beschäftigt, der Rastede einst zu seinem bevorzugten Aufenthaltsort erkoren hatte. Die Ergebnisse ihrer Arbeit will sie im kommenden „Archivboten“ veröffentlichen, der voraussichtlich Ende dieses Jahres erscheinen wird. In ihrem Text geht es auch um Spuren, die Graf Anton Günther in Rastede hinterlassen hat.
Das Schloss
In Rastede gab es einst ein Kloster der Benediktinermönche, das im Jahr 1091 geweiht worden war. Es befand sich dort, wo heute das Schloss steht. Schon als Kind hielt sich Anton Günther dort gerne auf, als Kloster wurden die Gebäude da schon nicht mehr genutzt. Nachdem er 1603 im Alter von 20 Jahren die Regierung übernommen hatte, baute er das ehemalige Klosterwesen um, schreibt Margarethe Pauly. Er ließ das Abtsgebäude abreißen und an dessen Stelle 1643 sein Jagd- und Lusthaus erbauen. Jahre später entstand dort das Schloss in seiner heutigen Form. Bereits 1612 hatte Anton Günther, der ein großer Pferdefreund war, einen Marstall errichten lassen. Dort dürfte auch der berühmte Kranich mit seiner langen Mähne und dem neun Meter langen Schweif gestanden haben, schildert Margarethe Pauly.
Die Kirche
Wer heute das Gelände der St.-Ulrichs-Kirche betritt, kann auf den Pfeilern zur Pforte zwei steinerne Löwen entdecken. Sie erinnern an das Pförtnerhaus des Grafenschlosses und zierten dessen Giebel. Anton Günther war zudem Mitstifter der Ludwig-Münstermann-Kanzel (1612), die sich noch heute in der Kirche befindet. Darüber hinaus erinnert auf dem Friedhof ein alter Grabstein an zwei früh verstorbene Söhne des Pfarrers Johannes Fabricius. Einer von ihnen trug ebenfalls den Namen Anton Günther, weil der Graf die Patenschaft übernommen hatte. Dies war damals nicht ungewöhnlich. Die Grafenfamilie hatte für einige tausend Kinder die Patenschaften übernommen, schreibt Margarethe Pauly.
Weitere Gebäude
Graf Anton Günther belohnte einige Rasteder für ihre Dienste, indem er ihnen ein Grundstück mit Haus schenkte. Dazu gehörten auch die Pastoren Johannes und Albertus Fabricius, berichtet die Gemeindearchivarin. Einen ihrer Höfe gibt es noch an der Raiffeisenstraße, den Brötje-Hof mit dem Bauernmuseum. Der zweite Hof befand sich an der August-Brötje-Straße nahe des Eisenbahngeländes, wurde aber in den 1940er Jahren abgerissen. Auch der Amtmann Matthias Pott erhielt ein Grundstück. Der Pottshof am Stratjebusch und der Pottsweg erinnern daran.
Straßen und Plätze
In Rastede wurde eine Straße nach dem Grafen benannt: die Anton-Günther-Straße im Ortskern. Auch eine alte Gastwirtschaft führte seinen Namen, das heutige „Bistro Brasserie“ an der Oldenburger Straße. Über der Eingangstür ist ein Gemälde zu sehen, das den Grafen auf seinem Pferd Kranich zeigt.
