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Jugendherberge Vorfreude auf das erste Weihnachtsfest

Hude - „Kumbaya my Lord, kumbaya...“ singt die achtjährige Samana. Aber auch das alte Volkslied „Mein Hut, der hat drei Ecken“ gefällt ihr. Gemeinsam mit Lena Schäfer vom Betreuungsteam an der Gitarre übt das Mädchen aus Afghanistan mit viel Freude Lieder ein. Es kehrt Weihnachtsstimmung ein in der Huder Jugendherberge.

Eine Weihnachtsstimmung, die die dort zum Teil seit acht Monaten lebenden Flüchtlingsfamilien so nicht kannten. In Afghanistan feiere man das persische Neujahrsfest ganz groß, und zwar jedes Jahr im Frühjahr, erzählt ein älteres Mädchen, das sich schon gut auf Deutsch verständigen kann.

Kinder lernen schnell

„Es ist erstaunlich, wie schnell die Kinder unsere Sprache lernen“, weiß Jugendherbergs-Leiterin Kirsten Jensen-Gentsch zu berichten. Die älteren Kinder besuchen die Schulen in Hude. Für die Jüngeren sei es wichtig, in die Kita zu gehen. Sie ist deshalb auch froh, dass ein Junge jetzt einen Kindergartenplatz bekommen hat. Wie positiv sich das auf das Sprechen auswirke, habe man dem Jungen schon nach wenigen Tagen angemerkt. Aber auch die Erwachsenen hätten gute Fortschritte gemacht beim Erlernen der deutschen Sprache.

Ziel ist Selbstständigkeit

Jensen-Gentsch und ihr Team begrüßen seit März in der Huder Jugendherberge nicht mehr Schulklassen und andere Gruppen. Vielmehr haben hier aufgrund einer Vereinbarung mit Landkreis und Gemeinde Flüchtlingsfamilien eine vorübergehende Unterkunft gefunden.

„Mein Ziel ist es, die Menschen, die zu uns kommen, zur Selbstständigkeit anzuleiten. Wir gehen nicht mehr mit zum Arzt, sondern erklären ihnen, wie man zum Arzt kommt“, nennt Jensen-Gentsch ein Beispiel aus dem Alltag. Und mittlerweile fungierten oft die Kinder als Dolmetscher für ihre Eltern.

Bis zu 70 Plätze stehen in der Jugendherberge zur Verfügung. Zurzeit sind es noch insgesamt 38 Personen, davon zwölf Kinder (inklusive drei Babys), um die sich das Jugendherbergsteam liebevoll kümmert.

Wie eine große Familie.

Doch es wird nicht auf Dauer sein. Nach und nach beziehen die Familien Wohnungen in der Gemeinde. Am 31. März 2017 läuft der Vertrag aus.

Gut gelaufen

„Es ist sehr gut gelaufen“, zieht Jensen-Gentsch eine erste Bilanz aus der Zeit als Flüchtlingsunterkunft. Es werde wehtun, wenn alles vorbei sei. Und das in doppelter Hinsicht.

Die Jugendherberge Hude, deren Fortbestehen schon länger auf der Kippe stand, wird nicht wieder als Jugendherberge weitermachen. Sie wird geschlossen. „Das Haus wird verkauft“, so Jensen-Gentsch, die die Huder Einrichtung des Jugendherbergswerkes seit 2003 leitet.

Das schönste Fest

Doch jetzt soll erst einmal mit den verbliebenen Flüchtlingsfamilien Weihnachten und Neujahr gefeiert werden.

Gerade Weihnachten sei eines der wichtigsten und schönsten deutschen Feste, so Jensen-Gentsch. Und das möchten sie und ihr Team den Flüchtlingsfamilien, die das Fest mit seinem christlichen Hintergrund so nicht kennen, ein wenig näherbringen. „Das ist auch ein Stück deutscher Kultur.“

Die Kinder basteln in diesen Tagen aus Salzteig den Baumschmuck, der die große Tanne im Aufenthaltsraum schmücken soll. Und auch Kekse werden gemeinsam gebacken.

Heiligabend werde es mittags ein gemeinsames Essen geben. Die Huderin Uta Rose habe spontan zugesagt, für die musikalische Begleitung zu sorgen. Und natürlich werde auch der Weihnachtsmann kommen, verrät die Hausleiterin. Denn zu einem Weihnachtsfest gehörten nun mal Geschenke, die der Mann im roten Mantel bringe.

Freude bereiten

In den vergangenen Tagen sei das Team oft gefragt worden, wie man den Flüchtlingskindern eine Freude zu Weihnachten machen könne.

„Flüchtlingskinder sind da nicht viel anders als einheimische Kinder. Sie haben auch sehr individuelle Vorlieben und Wünsche. Vor ihrer Flucht hatten sie ja schon ein ganz normales Kinderleben, das sich oft gar nicht so sehr von dem der einheimischen Kinder hier unterscheidet. Bloß weil ihnen hier alles Wichtige fehlt, heißt das nicht, dass sie sich nicht auch sehnlichst etwas ganz Individuelles (und aus Sicht der Erwachsenen vielleicht völlig Unnötiges) wünschen“, hat Jensen-Gentsch auf der Facebook-Seite der Jugendherberge geschrieben.

Und sie hofft auf ein paar Geldspenden, damit der eine oder andere individuelle Wunsch der Kinder Heiligabend erfüllt werden kann (siehe Info-Kasten).

Klaus Derke
Klaus Derke Redaktion Hude
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