Oldenburg - Carl Orffs großes Chorwerk „Carmina Burana“ meint man zu kennen. Das gilt zumindest für den wuchtigen Eingangschor „O Fortuna“, der spätestens durch die Film- und Werbebranche Popstatus erlangte. Nun wird das weltbekannte Musikstück im Großen Haus aufgeführt. Regisseur Sebastian Ukena, der zuletzt „Cardillac“ auf dem Fliegerhorst in Szene setzte, führt Regie.

Braucht ein Konzert einen Regisseur? „Unbedingt“, sagt Sebastian Ukena mit Nachdruck: „Carl Orff war die szenische Komponente sehr wichtig.“ Regieanweisungen gab Orff (1895-1982 München) aber keine, und so hat Ukena seine eigene Form entwickelt. Darin soll sich die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte ebenso wiederfinden wie Orffs Verbundenheit zum bajuwarischen Volkstum.

Uraufgeführt wurde „Carmina Burana“ 1937 zu einer Zeit, in der die Nationalsozialisten jüdische Künstler diffamierten und den Kulturbereich mit harter Hand regierten. Orffs Haltung während dieser dunklen Zeit deutscher Vergangenheit „wird zwiespältig diskutiert und birgt Potenzial“, sagt der Regisseur mit Bedacht: „Man darf die Zeit der Entstehung nicht ausblenden, aber sie soll den Zuhörer natürlich auch nicht abhalten, die schönen Momente zu genießen.“

Orffs „Carmina Burana“, eine mittelalterliche Liedsammlung aus dem Kloster Benediktbeuern, hat derer viele. Dafür sorgt schon die große Besetzung. Über hundert Mitwirkende aus dem Opern- und Extrachor, dem Kinder- und Jugendchor sowie der Statisterie des Oldenburgischen Staatstheaters (Leitung: Thomas Bönisch) stehen gemeinsam auf der Bühne. Zusammen mit den drei Opernsolisten Inga-Britt Anderson, Michael Pegher und Paul Brady sowie einigen Musikern. Thomas Dorsch dirigiert den Großteil des Orchesters an gewohnter Stelle.

Sebastian Ukena liegt am Herzen, dass man sich von der Wucht der gewaltigen, mitreißenden Gänsehaut-Musik nicht nur berauschen und einlullen lässt. „Das Werk birgt viel mehr Farben als man zunächst denkt“, pflichtet ihm Dramaturgin Rebecca Graitl bei. Die Vielschichtigkeit der sehr unterschiedlichen Liedtexte will der Regisseur über die Optik erlebbar machen. Mittels Video, gedreht von Andreas Etter, soll z.B. der historische Kontext aufleben, „ohne dass die Besucher vom Geschichtsunterricht erschlagen werden“.

Gegliedert ist der gut einstündige Abend, den das Staatstheater als szenische Kantate ankündigt, in drei thematisch geordnete Teile. Da die Liedtexte in lateinischer und mittelhochdeutscher Sprache verfasst sind, werden deutsche Übertitel eingeblendet.