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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vorweg ein Gruß aus der Küche

14.01.2017

Oldenburg Götter können ziemlich heruntergekommen sein. Was hat so ein Wotan Abgehobenes zu bieten? Nichts, nur imponierenden Gesang. Den Geschäftsführer von Walhall plagen Eheprobleme. Er bekommt die Finanzierung seiner Immobilie nicht auf die Reihe. Vertragsbruch ist für ihn eine Alternative.

Paul Esterhazy (51) steigt in dieses irdische Jammertal hinunter. „Es sind alles keine Identifikationsfiguren, die da auftreten“, sagt der Regisseur von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“. Bis 2019 soll die Opern-Tetralogie auf der Bühne des Großen Hauses erschaffen sein und vollständig 2021/21 gezeigt werden. Für das Jubiläum „100 Jahre Oper in Oldenburg“ baut das Staatstheater so an einem eigenen Denkmal. Den Sockel setzt das „Rheingold“ mit der Premiere am 4. Februar. „Vorabend“ hat Wagner das zweieinhalbstündige Werk genannt. „Das ist erst mal ein Gruß aus der Küche”, topft Esterhazy diese Ouvertüre herunter, obwohl das Hors d’Oeuvre ein bekömmliches ist. Die Hauptgänge folgen mit Verdauungspausen: „Die Walküre“ im September, „Siegfried” im Herbst 2018, „Götterdämmerung” 2019 zum Auftakt der Spielzeit, danach das üppige Menü komplett.

Erfahrener Theatermann

„Fast alle Zutaten sind am Vorabend schon zu kosten, in verträglicher Dosis“, nickt Esterhazy. Für die Hauptgänge erzeugt die Liste der Zusatzstoffe jedoch Schaudern. Bitterstoffe und Gift versetzen das Mahl: „Walküre ist brutal!“

Der erfahrene Theatermann hat sein Konzept für den Ring „schon seit zehn Jahren im Kopf“. Im Auge dafür hat er „ein kleines Theater mit seiner besondern Nähe zum Publikum“. Und: „Es muss in der Lage sein, das Mammutunternehmen künstlerisch zu meistern.“ Das ist eine passgenaue Beschreibung für Oldenburg. „Um Menschen direkt hervortreten zu lassen, muss man kein Welttheater aufbauen, das dann herüberkommt wie Star Wars”, sagt er.

Zur Person – Gespräch am Montag

Paul Esterhazy (51) ist in Wien zu Hause. Der promovierte Jurist arbeitet seit 1980 als Theaterregisseur. Außer in Oldenburg inszeniert er 2017 noch in Linz und Chemnitz. 1986 führte er in Freiburg die Kammeroper „Hunger und Durst“ der Oldenburger Komponistin Violeta Dinescu auf.

In einem „Theatertalk“ am 16. Januar (Montag, 20 Uhr) spricht Esterhazy in der Oldenburger Exerzierhalle (Pferdemarkt) über Wagners „Ring“. Die Premiere von „Rheingold“ findet am 4. Februar um 19.30 Uhr im Großen Haus statt. Karten gibt es unter: Telefon   0441/2225 111.

Wagner hat weite Teile in der Schweiz komponiert. Nicht von ungefähr erstellt Esterhazy seine „Ring“-Welt in den Alpen. Mag das Opern-Bündel auch auf Grundlagen der nordischen Edda-Sage beruhen, so findet er die Musik doch „eher südländisch“. Das wollte er „szenisch auch dorthin holen“.

Das Bühnenbild steht in einer Art Cellokasten. Ein Ringhaus bildet das Zentrum, ein Bauernhof mit Wotan als Gutsherrn. Es ist eine abgeschiedene gesellschaftliche Ecke, in der sich 100 Jahre nichts verändert hat. „Wir treffen auf Menschen mit Defekten”, erläutert Esterhazy. Man kann den Kopf schütteln, man kann mitfühlen. „Die Regie hat es nicht so schwer, wenn sie intensiv auf Wagners Musik hört“, fügt er an.

Der permanente Einsatz der Drehbühne schafft Schwenks wie mit einer Filmkamera: „Wir folgen unmittelbar den Menschen, schaffen einen kleinen Raum mit glaubhafter Nähe.“ Es gibt helle Ecken, dunkle Ecken, auch Keller.

Von alltäglicher Gier

Esterhazy ließ sich von der Geschichte des Schweizer Falschmünzers Joseph-Samuel Farinet (1845–1880) anstacheln. Der prägte massenhaft falsche 20-Rappen-Stücke, mit viel Aufwand für kargen Gewinn. „Da finde ich meinen Alberich“, ordnet Esterhazy die historische Gestalt ein. Alberich lässt in den Minen Nibelheims nach vorkapitalistischen Methoden produzieren. Die Musik hämmert auf 16 Ambossen dazu.

Die Regie stellt nicht den Goldschatz, den Alberich den Rheinnixen zum Anfang allen verfluchten Unheils raubt, ins Zentrum. Bestürzend ist eher die Erkenntnis von alltäglicher Gier und Begierde: „Für ein paar Pfennige oder Rappen und etwas Macht ist eine Gesellschaft in der Lage, sich gegenseitig die Schädel einzuschlagen.“ Er hegt den Verdacht: „Vielleicht ist der Schatz nicht einmal echt, sondern nur Katzengold.“

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Staatstheater | Rheingold

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