VRESCHEN-BOKEL - Anke Helm-Brandau hält ein welkendes, grün-gelbes Funkienblatt in der Hand. „Das hat eine besondere Aussagekraft und passt sehr gut zum Herbst. Oder hier dieser Baumpilz mit den rostigen Farben, den habe ich getrocknet. So etwas kann man immer gebrauchen.“ Die Vreschen-Bokelerin sieht die Natur mit anderen Augen als der Durchschnittsmensch. Vor fast 30 Jahren hat sie begonnen, sich mit Ikebana zu beschäftigen, der japanischen Kunst des Blumensteckens. Seither hat sie die Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Den Grundstock für ihr breites Wissen hat Hildegard Wittig (Bad Zwischenahn) gelegt, deren Schülerin sie rund 25 Jahre war.
Ikebana ist mehr als nur ein Hobby, das wird schon nach wenigen Minuten im Gespräch mit der Vreschen-Bokelerin klar. Eine ganze Lebensphilosophie steckt hinter dem „Weg der Blumen“, wie die japanische Kunst übersetzt wird. „Es ist der Weg, der zählt, jeder einzelne Schritt, nicht das Ziel. Darin finde ich meine innere Ruhe“, sagt sie. Es beginne immer mit der Suche nach dem passenden Material in der Natur. Dann sei das Gestalten an der Reihe. „Ziel ist es, einen kleinen Landschaftsausschnitt ins Haus zu holen, quasi die Natur abzubilden. Ich gehe dabei mit den Jahreszeiten.“ Farben und Proportionen müssten stimmen. Meist würden die einzelnen Elemente kontrastreich arrangiert. „Das erzeugt Spannung“, erzählt sie. Und so werden abgeknickte Stängel, farbige Blüten in Komplementärfarben und vieles andere mehr in klaren Formen und Neigungswinkeln zusammengestellt. „Doch das alles ist vergänglich“, weiß die Ikebana-Lehrerin, die kurz vor ihrer Meisterprüfung steht. „Heute habe ich eine
Knospe gesteckt. Ist sie morgen aufgeblüht, stimmen die Proportionen schon nicht mehr.“
Mit den meist klaren und schlichten Arrangements hat sie schon vielen eine Freude gemacht. So wird ab und zu der Altar in der Vreschen-Bokeler Kapelle mit Ikebana geschmückt. Erst kürzlich hat sie einen Vortrag vor Landfrauen gehalten, und sie unterrichtet Anfänger in einem Kursus des Freizeit- und Kulturkreises. „Inzwischen ist Ikebana ein Teil meines Lebens geworden“, sagt Anke Helm-Brandau und hält wieder Ausschau nach Wildblumen, Zweigen, Blättern und vielen anderen Naturmaterialien, die sie das nächste Mal nutzen kann.
