Jever - Es war ein Geschenk der besonderen Art: Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner drehte das polnisch-ukrainische Ensemble Klezmer Reloaded mit Maciej Golebiowski (Klarinette) und Alexander Shevchenko (Akkordeon) am Sonntagabend im Lokschuppen Jever Stücke des Komponisten durch die Klezmer-Mühle.

Vor mehr als 140 Besuchern vermischte Klezmer Reloaded im Rahmen des Musikalischen Sommers osteuropäische jüdische Volksmusik mit zeitgenössischen Strömungen. „Nach elf Stunden Fahrt sagen wir danke fürs Kommen, fürs Klatschen und viel Spaß beim gemeinsamen Schwitzen“, führte Maciej Golebiowski auf charmante Art ein und begrüßte die Gäste mit einem Trauermarsch von Gustav Mahler, liebevoll Gustl genannt, der vergnügter nicht hätte gespielt werden können.

Überhaupt ließ Golebiowski seine Klarinette mal melancholisch schluchzen und gleich darauf wieder fröhlich jauchzen. Ähnlich facettenreich war das Spiel von Alexander Shevchenko. Seinem Bajan, der osteuropäischen Form des Knopfakkordeons, entlockte er französischen Chanson, dann Tango Argentino, freche Jazz-Fragmente und sogar orientalische Klänge.

„Wenn wir Stücke neu arrangieren, sieht es bei uns wie in einer Werkstatt aus: Ein großer Tisch, darauf hunderte Partituren, die wir zerlegen und anschließend wieder zusammensetzen“, erläuterte Golebiowski. Überschäumende Spielfreude, gepaart mit hohen technischen Fertigkeiten, ließen selbst aus dem simplen Kinderlied „Bruder Jakob“ ein beeindruckendes Werk werden.

Das nächste Konzert des Musikalischen Sommers, für das es noch Restkarten gibt, ist das Pasticcio Classico „Land der Entdeckungen“ am 25. Juli in der Kirche Münkeboe. Es ist ein Gipfeltreffen der internationaler Musiker: Dimitri Ashkenazy, Igal Levin (Klarinette), Aya und Yuko Koyama (Gesang), Anna Magdalena Kokits, Iwan König (Klavier), Doren Dinglinger, Koji Morishita, Franz Chien (Violine) sowie Akio und Rie Koyama (Fagott).

Außerdem gibt es noch Restkarten für das Konzert am Freitag, 26. Juli, in der Rysumer Kirche mit Doren Dinglinger (Violine), Iwan König (Klavier) und Dan Glazer (Schauspieler). Das Trio präsentiert ein literarisch-musikalisches Programm mit Texten von Gorkij und Böll über Liebe und Tod.

Auch für das Abschlusskonzert am 28. Juli gibt es noch Karten. Auf dem Programm stehen Werke von Ravel, Beethoven, Poulenc und Mozart. Aus Frankreich trifft dazu der Geiger Philippe Graffin ein. Aus Japan stammt der Solo-Fagottist Professor Akio Koyama und aus New York kommt Klarinettist Dimitri Ashkenazy, der Sohn des weltberühmten Dirigenten und Pianisten Vladimir Ashkenazy. Es spielt das Festivalorchester unter Leitung von Franz Chien.

Karten und Infos unter Tel. 04941/99 72 49.