WAHNBEK - Hier begann also meine Odyssee. Ralf-Roger Böttcher steht im ersten Stock jenes Hauses in Wahnbek (Landkreis Ammerland), in dem er am 29. September 1951 das Licht der Welt erblickte als Hausgeburt. 60 Jahre später kehrt er erstmals wieder zurück.
Dass dies überhaupt möglich wurde, haben zahlreiche Leserinnen und Leser derNWZ
ermöglicht. Anhand von Fotos identifizierten sie das Geburtshaus des Mannes, der als Kind mit seinen Eltern nach Kanada auswanderte und inzwischen in Wiesbaden lebt.Den entscheidenden Hinweis gab Aenne Fröllje. Sie wohnt mit ihrem Mann Johannes noch heute in dem Haus an der Oldenburger Straße und erinnerte sich daran, dass dort nach dem Zweiten Weltkrieg Heimatvertriebene untergebracht waren.
Zwei Familien lebten mit uns unter einem Dach, erzählt sie. Eine von ihnen war die Familie Böttcher. Vater Günter war als Heimatvertriebener aus Pommern in den Nordwesten gekommen. Im Krieg hatte er seine spätere Frau Ursula kennengelernt, die er 1947 heiratete. Mit deren ältestem Sohn Jens Uwe muss Aenne Fröllje, die damals noch Schwarting hieß und 1947 zur Welt kam, im Kindesalter gespielt haben. In einem alten Fotoalbum hat sie ein Bild entdeckt, das die beiden als junge Steppkes zeigt.
Im Haus der Frölljes beugen sich nun Jens Uwe und Bruder Ralf-Roger über das Album. Das ist das einzige Bild, weiß Aenne Fröllje und ergänzt: Sonst habe ich keine Aufnahmen von der Familie Böttcher.
Ja, das bin ich, bestätigt denn auch Jens Uwe, der seinen jüngeren Bruder mit dem Fund des Geburtshauses überraschen wollte. Und das ist ihm gelungen. Ich hatte keine genauen Vorstellungen, wie das Haus wohl aussehen könnte, gesteht Ralf-Roger Böttcher und fügt hinzu: Es ist schön, endlich herauszufinden, wo ich geboren wurde. Die Ruhe und Idylle in Wahnbek gefallen ihm auf Anhieb: Das ist schon etwas anderes als bei uns in der Großstadt, sagt er.
Die beiden Brüder brachten gleich ihre ganze Familie mit nach Wahnbek: Lebenspartner, Söhne, Töchter und Enkelkinder reisten aus Lilienthal, Wiesbaden und Hamburg an, um das Geburtshaus zu sehen und später in Rastede Ralf-Rogers 60. Geburtstag zu feiern.
Wir sind der Familie Fröllje überaus dankbar, dass sie uns einen Blick in das Haus werfen lässt, betonen sie. Dann steigen sie eine schmale und steile Treppe hinauf in das Obergeschoss und stehen tatsächlich in dem Raum, in dem Ralf-Roger Böttchers Leben vor sechs Jahrzehnten begann. Das ist schon ein bewegender Moment, wenn man jetzt hier steht und weiß, dass man hier vor 60 Jahren seinen ersten Schrei herausgelassen hat, sagt er.
Noch genaue Erinnerungen an die steile Treppe hat sein Bruder Jens Uwe. Die bin ich als Vierjähriger mal heruntergepurzelt, verrät er schmunzelnd. Die Treppe habe sich auch nicht verändert, weiß Aenne Fröllje. Die Zimmer im Obergeschoss waren damals allerdings anders zugeschnitten.
Aus heutiger Sicht ist es kaum zu glauben, dass in dem Wohnhaus auf engstem Raum einst drei Familien lebten. Die Heimatvertriebenen wurden uns damals zugewiesen, erinnert sich Aenne Fröllje an Erzählungen.
So waren die Böttchers damals in Wahnbek gelandet, bevor es sie in alle Himmelsrichtungen zog und nun nach langer Zeit zurückführte.
