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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Wahrheit muss immer heraus“

15.08.2006

Von Reinhard tschapke

Frage: Sie wollten, so steht es in Ihrer Autobiografie „Durch die Erde ein Riss“, unbedingt zur Waffen-SS. Warum?

loest: Ja, ich wollte 1944 zur Waffen-SS. Das war eine Elite-Einheit. Damals sollte die Division Hitlerjugend aufgestellt werden. Ich wollte sofort hin.

Frage: Warum sind Sie nicht genommen worden?

loest: Ich musste als 16-Jähriger die Genehmigung meines Schuldirektors haben. Der hat aber abgelehnt mit den Worten: Nächstes Jahr kommt ihr auch noch zurecht!

Frage: Was passierte dann?

loest: Die Division Hitlerjugend ist in der Normandie aufgerieben worden. Also hat mein alter Rektor, ein Nazi, mir das Leben gerettet.

Frage: Sie kamen trotzdem noch im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz.

loest: Nach der misslungenen Freiwilligenmeldung wollte ich Reserveoffizier-Bewerber beim Heer werden. Schließlich kam die Einberufung, folgte die Ausbildung, der Schliff auf einem Truppenübungsplatz.

Frage: Nahmen Sie in der Endphase des Kriegs noch an Waffenhandlungen teil?

loest: Schlimmer noch: Ich habe eine weitere Wahnsinnstat begangen. Ich habe mich am Kriegsende bei einer Werwolf-Organisation gemeldet. Wir wollten hinter den feindlichen Linien sprengen und morden. Aber die Amerikaner haben uns – eine Gruppe von 40 Leuten – aufgespürt. Nur zwei sind durchgekommen: mein Kumpel und ich. Von den anderen fehlt jede Spur.

Frage: Haben Sie durch Ihre Kriegs-Erlebnisse denn Verständnis für das, was Günter Grass als 17-Jährigem passiert ist?

loest: Absolut. Mit ging es genauso.

Frage: Haben Sie denn auch Verständnis dafür, dass er jahrzehntelang über seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS geschwiegen hat?

Loest: Nein, das verstehe ich nicht.

Frage: Sie waren lange Vorsitzender des einflussreichen Verbandes Deutscher Schriftsteller (VS). Ist es richtig, jetzt zu fordern, Grass solle Preise zurückgeben, ihm sollte die Ehrenbürgerschaft von Danzig aberkannt werden?

Loest: Das ist eine überzogene und hässliche Hektik. Seine Feinde sind eben zahlreich – Günter Grass hat immer gut ausgeteilt, jetzt keilen die zurück.

Frage: Ist Günter Grass für Sie nach dem späten Bekenntnis noch eine moralische Instanz?

loest: Na ja, der Ruf ist natürlich angeschlagen. Manche meinen: Hätte er es doch weiter verschwiegen! Ich antworte: Die Wahrheit muss immer heraus. Aber sie kommt viel zu spät. Es hat 1000 Gelegenheiten gegeben. Ich weiß nicht, warum er das nicht früher zugegeben hat.

Frage: Sie sind seit vielen Jahren mit Günter Grass befreundet.

loest: Er bleibt mein Freund. Aber wir müssen mal gründlich miteinander reden.

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