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Wahrzeichen Auf Dem Prüfstand Wie gut ist die Akustik der Elbphilharmonie wirklich?

Hamburg - Wenn die Orgel ins Spiel kommt, haben die Felsenkirche in Helsinki und die Elbphilharmonie in Hamburg einiges gemeinsam, diese in der finnischen Hauptstadt in den Granit gesprengte Grotte und das Bauwerk am Kaiserkai mit seinem grottenartigen Großen Saal. Die Felsenkirche wird ob ihrer prächtigen Akustik über den grünen Klee gelobt. Die „Elphi“ trachtet nach dem Ruf, zu den besten Konzertsälen zu gehören.

Iveta Apkalna, angesagte Organistin aus Lettland, sammelt am Mittwochabend für den Ruf der mächtigen, aber nie protzig wirkenden Klais-Orgel und den Saal Pluspunkte. Das Konzert g-Moll für Orgel, Pauken und Streicher von Francis Poulenc rückt alle Facetten des wie in Helsinki in die Seitenwand eingefügten Instruments ins Licht. Geradezu berauschend wirkt ihr Raumklang. Doch kurios: Klangrausch hat die stets 2100 Hörer im Großen Saal nach den ersten 33 Praxistagen noch nicht ergriffen.

Vielleicht ist der Saal ein in die Zukunft weisendes Experiment. Der japanische Starakustiker Yasuhisa Toyota hat viel Direktschall und wenig Nachhall verordnet. Extrem klar kommen musikalische Strukturen, feinste Details und äußerste dynamische Stufungen zur Geltung.

Klangliche Exzesse

Wer die Klangwärme in Musiktempeln wie beim Wiener Musikverein, am Gendarmenmarkt in Berlin oder in der Glocke in Bremen als Ideal schätzt, ist möglicherweise ernüchtert. Bricht das riesige Crescendo in „Photoptosis“ von Bernd Alois Zimmermann mit „tutta la forza” wie bei der Einweihung über den Hörer herein, bekommt er das Gefühl, dass ihm ein Satz Ohren wegfliegt. Wenn der Klang nach solchen Exzessen direkt abbricht und sich ins Pianissimo zurückzieht, fordert das auch die Musiker extrem. Jede Häkelei steht schonungslos bloß da.

Doch Konzertsäle mit „warmem Klang“ und viel Nachhall gibt es etliche. So gesehen schließt das Konzerthaus an der Elbe eine Lücke in der Klangwelt. Die Hörer müssen sich erst auf die Aura im Saal einlassen, die sie zunächst als unpersönlich empfinden mögen. In dieser Woche gastierte Cecilia Bartoli in Hamburg. Die Sopranistin wusste die Akustik offenbar zu nehmen. Und Besucher aus Bad Zwischenahn schwärmten sogar von einer „klaren Textverständlichkeit, einer ansteckenden Nähe und spürbaren Empathie“.

Und die NDR-Elbphilharmonie scheint auf dem Weg, die eigenen ungewohnten Hörerfahrungen zu verarbeiten. Unter Thomas Hengelbrocks Leitung klingt Beethovens 7. Sinfonie ebenso wuchtig wie in Details durchsichtig. Nach der Premiere vor 33 Tagen war dem Orchester noch ein manchmal strohiger Klang nachgesagt worden. Gerade die Bläser blühen auf, weil sie viele Schattierungen ausspielen können. Eher nach dem richtigen Zugriff suchen noch die Streicher. Steigen sie bei Poulenc in die Höhe und ins Forte, schrillt der Geigenklang ab und an.

Ein Konzertsaal ist mit seiner Eröffnung nie fertig. Toyota räumt ein: „Wir werden immer wieder nachjustieren müssen.“ Er kennt die Erfahrungen aus Paris, wo die neue Philharmonie anfangs wenig Anklang fand. Auch das Material arbeitet – jetzt, nach zwei Jahren, schwören die Franzosen auf ihre Philharmonie.

Konzerte ausverkauft

Mit Neugier machen sich die Hamburger ein Bild von ihrem neuen Wahrzeichen. 21 Nachmittage und Abende sind allein in diesem Monat für die volkstümliche Reihe „Konzerte für Hamburg“ aufgelegt. Alle sind ausverkauft, mit 44 000 Besuchern. Wenn nach dem ersten Satz von Beethovens Siebter außer der Reihe geklatscht wird, können die Musiker das richtig deuten. Zeigt es doch: Sie haben Menschen angelockt, denen der Konzertbetrieb bisher fremd war.

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