WANGEROOGE - In diesem Jahr wäre Wilhelm Heinrich Focke (3. Juli 1878 bis 15. Dezember 1974) 130 Jahre alt geworden. Obwohl sein Name hauptsächlich mit der Fliegerei verbunden ist, war er mehr als ein Pionier: Focke machte sich auch einen Namen als Maler, Bildhauer, Erfinder und Poet. Fast 30 Jahre lang waren seine Werke in Vergessenheit geraten, nur durch Zufall wurde sein Nachlass in Bremen wiederentdeckt.
Helmut Hadré, enger Freund von Wilhelm Focke und Liebhaber Wangerooges, stellt nun bis Ende Oktober im Seminarraum Süd fast 300 Ölgemälde, Aquarelle, Kohle- und Federzeichnungen aus der Hand Fockes aus.
Kennen lernte die Familie Hadré den Künstler zufällig in Bremen: An einem See versuchte ein Bruder Hadrés, sein Modellsegelboot fahren zu lassen. Focke beobachtete die Versuche und half dem Kind, das Boote segeltauglich zu machen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich die Freundschaft zwischen Focke und der Familie Hadré, die sich bis zu Fockes Tod 1974 auch um ihn sorgte und einen Teil der Werke erbte.
Durch den plötzlichen Tod eines Bruders Hadrés sind dann viele Werke Fockes ans Tageslicht gekommen.
Das künstlerische Handwerk lernte Wilhelm Focke an verschiedenen Kunstakademien: Er studierte Malerei und Bildhauerei bei Josef Janssen in Düsseldorf, in München bei Heinrich Marr, bei Ludwig von Hofmann und in der Meisterklasse von Prof. Arthur Kampf in Berlin. An den Berliner Künstlerstammtischen mit Max Slevogt, Hans Thoma, Oskar Kokoschka und Olaf Gulbranson nahm er rege teil.
Fockes Pferdebilder nötigten sogar seinem väterlichen Freund Max Liebermann größten Respekt ab. Die Nähe zu den Brücke-Malern Pechstein, Kirchner, Schmidt-Rotluff oder Müller ist an den impressionistischen Werken zu erkennen.
Dass Wangerooge nun die Eröffnungsausstellung im Jubiläumsjahr bietet, verdankt die Insel aber nicht nur der Verbundenheit Hadrés. Auch Wilhelm Focke kannte die Insel: Im Ersten Weltkrieg schwer verwundet, wurde er 1916 als Aufklärer und Rettungsflieger über der Nordsee eingesetzt. Dabei landete er auch auf Wangerooge. Zuletzt besuchte er die Insel Anfang der 70er Jahre.
Die beeindruckende Ausstellung auf Wangerooge bietet einen Querschnitt der Arbeiten Fockes. Natürlich dürfen auch Zeichnungen des legendären Flugzeugs „Ente“ nicht fehlen. Geöffnet ist der Seminarraum Süd täglich von 9 bis 20 Uhr.
