Wardenburg - Er schloss für Führungen die alte Tür des Wardenburger Glockenturms auf, präsentierte das Wahrzeichen beim Cityfest sowie beim Weihnachtsmarkt und sorgte für die Instandhaltung: Doch nach 28 Jahren soll damit Schluss sein. Mit 82 Jahren will der Wardenburger Günter Götze den ehrenamtlichen Posten als Betreuer des Glockenturms in jüngere Hände abgeben.
Dornröschenschlaf
Drei Bewerber haben bereits Interesse geäußert, berichtet der Wardenburger. In den nächsten Wochen soll bekannt gegeben werden, wer das Ehrenamt übernimmt. „Ich wäre traurig gewesen, wenn wir keinen gefunden hätten“, sagt Götze. „Dann wäre der Turm wieder in einen Dornröschenschlaf verfallen.“
Vor 1991 wurde der Glockenturm, der im 13. Jahrhundert erbaut wurde, weniger genutzt. Anfang der 1990er Jahre übernahm der Wardenburger zusammen mit Ingrid Oeltjebruns, Vorsitzende des Fördervereins für die Sanierung des Glockenturms, die Betreuung. „Unser Ziel war es, Wardenburgs Wahrzeichen nicht im Dornröschenschlaf zu belassen, sondern diesen schönen Turm dem Publikum zugänglich zu machen.“ Und das sollte sich auch mit der Sanierung ändern. 1995 war diese abgeschlossen und der Turm konnte mit einem Gottesdienst eingeweiht werden, erinnert sich Götze. Nachdem Oeltjebruns 2011 verstarb, führte Götze das Ehrenamt alleine weiter.
Anziehungskraft
Schulklassen, Geburtstagsbesucher, Vereine und Einzelbesucher führte der Wardenburger schon durch den Glockenturm. Für jeden, der Interesse hatte, berichtete der Ehrenamtliche etwas über die Geschichte des Wahrzeichens des Ortes. Laut Götze hat der Turm eine ganz besondere Anziehungskraft auf die Besucher. „Die Turmstube im Inneren des Glockenturms hat so manchen Besucher erstaunt“, sagt er. „Und die Kinder sind immer ganz begeistert.“
Der 82-Jährige eignete sich über die Jahre allerhand Wissen rund um den Turm an. Bei der Restaurierung sollen alle Informationen rund um das historische Gebäude in zwei dicken Ordnen, die im Kirchenbüro gelagert werden, gesammelt worden sein. Das Wissen müsste sich dann auch sein Nachfolger aneignen. „Doch einen Test gibt es nicht“, sagt Götze mit einem Lächeln.
Nicht nur die Führungen übernahm Götze. Damit sich der Turm auch sehen lassen konnte, reinigte der Rentner ihn zweimal im Jahr gründlich von innen und außen und befreite ihn so von Staub, Spinnenweben und Zigarettenkippen, die vor den Turm geschmissen wurden. Die Utensilien dafür brachte er von zu Hause mit.
Wehmütig ist Götze am Ende seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Betreuer nicht. „Man muss auch loslassen können“, sagt der Wardenburger, der den historischen Glockenturm weiterhin regelmäßig besuchen will.
