WARDENBURG - Fast ist die Zeit schon wieder vorüber, in der sich 11 Kinder und zwei Betreuer aus Grudinowka, einer weißrussischen Gemeinde in der Nähe von Tschernobyl in Wardenburg erholen konnten. Nur noch knapp eine Woche verbleiben sie noch in den fünf Gastfamilien, dann treten sie zusammen mit den Ferienkindern, die sich in der Gemeinde Großenkneten aufhalten, die Rückfahrt an. Am Sonnabend gab es schon die Abschiedsfeier im Dorfgemeinschaftshaus in Hundsmühlen. Die Kinder, allesamt große Fußballfans, sollten gemeinsam die deutsche Nationalmannschaft anfeuern können.
Die 10-jährige Nina Pasynkowa sagte ein 2:0 für Deutschland voraus, freute sich aber hinterher, dass ihr Tipp noch übertroffen wurde. Ihr letzter Urlaub in Wardenburg endete mit einer schlimmen Nachricht: Das Haus ihrer Familie war abgebrannt, eines ihrer Geschwisterkinder war dabei ums Leben gekommen. (NWZ
berichtete)Die damals eilig organisierte Hilfsaktion sei ein Erfolg gewesen, berichtet die aus Weißrussland stammende Marina Berdnikowitsch. Die Gemeinde in Grudinowka stellte der Familie ein neues Haus zur Verfügung und von dem Spendengeld konnte die notwendige Wohnungseinrichtungen beschafft werden. Doch das Leid der Familie sei immer noch groß. Nicht nur, dass sie unter den Folgen des Unglücks leidet: Die Mutter, die mit den vier Kindern in dem Haus wohnt, hat nur 200 000 Rubel, etwa 50 Euro im Monat, zur Verfügung. Der Vater der Kinder kann die Familie nicht unterstützen, da er inhaftiert ist.
Nina, der Jüngsten der Familie, hat der Aufenthalt in Deutschland gut getan, sie würde gerne noch einen Monat länger bleiben.
Auf die Frage, was ihr größter Wunsch sei, sagt sie prompt: „Eine Gitarre“. Sie musiziert leidenschaftlich gerne und möchte einmal Sängerin werden. Sie habe sogar schon zwei eigene Musikstücke geschrieben, verriet sie.
Für die Kinder sei es ungeheuer wichtig, sich in Deutschland erholen zu können. Ihr Immunsystem werde nachweislich gestärkt, so die Organisatoren Uta und Heinz Onnen. Doch werde es immer schwieriger, Gastfamilien zu finden. Zwar haben sich in diesem Jahr erneut fünf Familien bereit erklärt, Kinder bei sich aufzunehmen, doch muss inzwischen über die Gemeindegrenzen hinaus gesucht werden, in diesem Jahr waren einige Kinder bei zwei Familien in Ganderkesee untergebracht. Dennoch geben die Onnens nicht auf. Unterstützt wurden sie dabei von einigen Helferinnen und Helfern zum Beispiel beim Grillen oder bei den zahlreichen Freizeitaktivitäten, die die Kinder während der Zeit unternommen haben. Kurz vor Weihnachten werde er die Vorbereitungen für den nächsten Aufenthalt starten, berichtet Heinz Onnen. Bis dahin freut er sich, dass in diesem Jahr alles glatt gelaufen ist.
