Wardenburg - Zwei Schülerinnen stehen sich gegenüber und unterhalten sich. „Hey du, was hältst du davon, wenn ich dir deine Haare abschneide?“, fragt die eine. „Hmm, aber nur ein bisschen“, lautet die Antwort. „Nee, ich mein so richtig“, fordert das erste Mädchen. „Ach so, na da muss ich erst mal meine Mutter fragen, aber die Idee gefällt mir. Danach schneide ich dann deine ab und wir tauschen. dann hab ich dunkle Haare und du blonde“, schlägt das zweite Mädchen vor und verlässt das erste.
Um die beiden herum stehen weitere Schülerinnen im Kreis und beobachten die Szene. Eines der Mädchen nimmt jetzt den Platz des Mädchens in der Mitte ein, das zuvor die Mitte verlassen hat und beginnt wiederum ein Gespräch. Es handelt sich dabei um eine Übung des Theaterprojektes „Nimm meine Hand“, das an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Wardenburg läuft.
Initiiert haben das Projekt, das sich Themen wie Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit widmet, Schulsozialarbeiter Rainer Strauß und Flüchtlingssozialarbeiterin Jutta Rudolf. Ziel des Projektes ist es, geflohene Kinder noch besser zu integrieren. „Das geht über das Theater besonders gut, weil wir alles rund um das Thema Flucht und Geflüchtete aufgreifen und uns damit auseinandersetzen können“, erklärt Rainer Strauß.
„Wir haben den Schülerinnen kein Theaterstück mitgebracht, das sie einstudieren sollen. Die Arbeit im Projekt ist sehr frei gestaltet“, berichtet Theaterpädagoge Bodo Neemann, der einmal in der Woche mit den Schülerinnen probt. Besonders die geflüchteten Mädchen würden diese Freiheit, an einem Projekt zu arbeiten, aus ihrer Heimat nicht kennen. „Die Schule ist dort viel autoritärer“, erklärt der Pädagoge. Deshalb sei es zu Beginn nicht immer einfach gewesen, den richtigen Zugang zu finden. Das ändere sich aber mit jedem Treffen mehr.
Und das kann man bereits bei den Proben sehen. Bei den Schülerinnen kommt die Theaterarbeit sehr gut an. „Beim Theater habe ich die Möglichkeit, Gefühle rauszulassen“, berichtet Madita. Sie habe sich sofort für das Projekt gemeldet, als sie davon erfuhr.
Und auch Antonia gefällt die Schauspielerei: „Normalerweise bin ich immer sehr brav aber im Theater kann ich anders sein. Ich spiele auch gerne mal die Zicke“, verrät sie.
Am Ende des Projektes soll eine Szenenfolge erarbeitet worden sein, die dann in zwei schulinternen Aufführungen vor den Weihnachtsferien präsentiert wird. Damit bis dahin alles klappt, gehören neben den Proben auch Workshops zur politischen Bildung und ein Intensivwochenende im Theaterpädagogischen Zentrum „Weiße Rose 1“ des Vereins Jugendkulturarbeit in Oldenburg zum Projekt.
