Wardenburg - Am Cityfest-Wochenende hat Günter Götze zum letzten Mal die alte Tür des Wardenburger Glockenturms aufgeschlossen. Nach 29 Jahren, in denen sich der 82-Jährige um das Wahrzeichen gekümmert hat, übergab er am Sonntag die Schlüssel in jüngere Hände: Hans-Hermann Büsselmann und Rolf Vergin haben den ehrenamtlichen Posten als Betreuer des Glockenturms übernommen. Ihre erste Amtshandlung war das Abschließen des Wahrzeichens.
Mehrere Interessenten
„Wir sind sehr froh, dass jemand dieses Amt und die Verantwortung übernimmt“, sagt Pastorin Imke Gießing. Es sei ein großes Anliegen gewesen, dass der Glockenturm, der der evangelischen Kirchengemeinde Wardenburg gehört, insbesondere zu den Festlichkeiten begangenen werden könne, so die Pastorin.
Nachdem Götze seinen Rückzug von dem Ehrenamt angekündigt hatte, war im Ort nach einem oder mehreren Nachfolgern gesucht worden. Neben Büsselmann und Vergin hätten sich auch weitere Wardenburger gemeldet, berichtet Gießing. Gerade in Zeiten, in denen nicht mehr jedes Ehrenamt übernommen werde, sei dies nicht selbstverständlich. „Es ist für mich ein Zeichen, wie sehr der Glockenturm in den Ort gehört“, sagt die Pastorin und ergänzt: „Mit Hans-Hermann Büsselmann und Rolf Vergin haben wir sehr kompetente Nachfolger gefunden.“
Auch Götze ist froh, dass sein Ehrenamt fortgeführt wird. „Ich wäre traurig gewesen, wenn wir keinen Nachfolger gefunden hätten“, sagt der Wardenburger. Dann wäre der Glockenturm wohl wieder in einen Dornröschenschlaf gefallen. Denn auch wenn sich bis zum Cityfest kein Nachfolger gefunden hätte, hätte Götze sein Amt aufgegeben, betont er. Dann wäre die Tür zugeblieben – und der Turm wäre wohl wieder in die Zeit vor den 1990er Jahre zurückgefallen. Denn vor 1991 sei das im 13. Jahrhundert erbaute Wahrzeichen nur wenig genutzt worden, erklärt Götze.
Anfang der 1990er Jahre übernahm der Wardenburger zusammen mit Ingrid Oeltjebruns, Vorsitzende des Fördervereins für die Sanierung des Glockenturms, die Betreuung. Ziel sei es damals gewesen, den Turm aus dem Dornröschenschlaf zu holen und ihm der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so Götze. Nach der Sanierung, die 1995 abgeschlossen war, konnte dies umgesetzt werden. Nachdem Oeltjebruns 2011 verstarb, führte Götze das Ehrenamt alleine weiter.
Viele Besucher erstaunt
In seinen 29 Jahren führte der Wardenburger Schulklassen, Geburtstagsbesucher, Vereine und Einzelbesucher durch den Glockenturm – rund 70 bis 80 Besucher pro Jahr, hauptsächlich zu den Festen. Für Götze war es immer wieder erstaunlich, wie viele Wardenburger es gibt, die das Innere des Wahrzeichens mit Turmstube noch nicht gesehen hätten. Diese seien immer wieder sehr erstaunt gewesen, dass es so etwas im Glockenturm gibt.
Neben den Führungen übernahm Götze auch die Reinigung des Turms, befreite diesen von Staub sowie Spinnenweben und entfernte Zigarettenkippen, die vor den Turm geschmissen wurden. Das ist nun auch die Aufgabe seiner Nachfolger.
Wehmütig ist der 82-Jährige am Ende seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Betreuer des Glockenturms nicht. „Mit fast 83 Jahren können das nun Jüngere übernehmen“, sagt Götze. Doch einen Wunsch hat er: „Ich würde mich freuen, wenn der Zulauf weiter so bleibt.“
Darüber würden sich auch seine Nachfolger Büsselmann und Vergin freuen. „Es ist eine nette Aufgabe, den Leuten die Entstehung und die Geschichte des Glockenturms zu erzählen“, sagt Vergin, der 25 Jahre bei der Gemeinde gearbeitet hat und mittlerweile im Ruhestand ist. Beim Cityfest habe es schon erste Interessenten für eine Besichtigung gegeben, berichtet er.
Auch Büsselmann, der bis zu seinem Ruhestand in der IT-Branche tätig war, interessiert sich für die Geschichte des Wahrzeichens und möchte sie den Besuchern näher bringen. „Auch wenn der Glockenturm architektonisch schlicht ist, ist seine Historie überzeugend“, sagt Büsselmann. Die beiden neuen Betreuer des Glockenturms wollen sich in den kommenden Wochen zusammensetzen und überlegen, wie sie den Turm noch besser der Öffentlichkeit präsentieren können. Wer den Glockenturm außerhalb der Veranstaltungen in Wardenburg besichtigen möchte, kann sich bei Hans-Hermann Büsselmann unter
