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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik wie eine Mutprobe auf Hochseil

11.09.2018

Warfleth /Berne Wer in den Geigenhimmel vordringen will, der muss sich vielleicht erst mal in der Hölle durchschlagen. Antje Weithaas stellt sich dazu zwar fest geerdet auf das Podium in der Konzertkirche in Warfleth (Gemeinde Berne/Wesermarsch). Doch was die Geigerin im heimeligen Bau direkt am Weserdeich wagt, steht dem Mut auch eines Hochseilartisten kaum nach.

Alle sechs Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach für Violine solo von 1717/20 spielt sie, teuflisch herausfordernd, an zwei Abenden wechselnd mit den sechs Solosonaten von Eugène Ysaye von 1923/24. Ebenso teuflisch herausfordernd. Bachs Musik wirkt mental oft wie eine Sache auf Leben und Tod und dem Unwägbaren dahinter. Da blüht Ysayes Tonsprache eher dazwischen im diesseitigen Raum. Mithin stellt sich die Berliner Professorin und gefeierte Solistin einer ebenso technisch wie emotional gewaltigen Herausforderung. „So etwas Verrücktes wollte ich immer schon mal machen“, bekundet die 51-Jährige. Sie sagt das so unkompliziert, wie ihr Spiel dann bei aller ungeheuren Komplexität klingt.

Antje Weithass dosiert überlegen: Zwischen Forschheit und Souveränität, zwischen Respekt vor den Werken und dem ihr angemessenen Selbstbewusstsein. Ihr Ton tendiert zu einer überaus feinen Herbheit. Und an die Stelle jener pulsierenden Nervosität, die etwa einen Tetzlaff oder Zimmermann antreibt, tritt bei ihr eine belebend federnde Rhythmik. Bach ziseliert sie bis in letzte Einzelheiten aus. Akkordbrechungen krachen auch auf ihrem modernen Instrument nicht.

Die Fugenstimmen sind deutlich zu verfolgen, auch über die 354 Takte in der C-Dur-Sonate. Das Präludium der E-Dur-Partita gerät durch minimalste Tempo-Wandlungen geradezu unter Hochspannung. Sie kann es sich auch erlauben, durch das Presto der g-Moll-Sonate regelrecht zu rasen. Denn sie vernuschelt nicht eine Note.

Und die Dramaturgie stimmt auch. Den ersten Abend krönt sie mit der fulminant gespielten E-Dur-Sonate von Ysaye, in die sie den Habanera-Einwurf geradezu kess einfügt. Der zweite endet mit Bachs d-Moll-Partita, mit der Chaconne, einem der gewaltigsten Bauwerke der Musik.

Danach gibt es nichts mehr zu sagen, nur noch begeistert und ergriffen zu klatschen.

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