Warfleth - Wenn am Sonntag, 16. Dezember, um 17 Uhr die große Nina Tichman in der kleinen Warflether Kirche am Deich dem Klavier die ersten Töne entlockt, wird sie das unter einem stattlichen Weihnachtsbaum tun. Der Kirchenraum aufgeladen mit viel Atmosphäre, dazu die Aura und die hohe Darbietungskunst der „Grande Dame des Pianos“ – einem feierlichen Abschluss des Zehn-Jahres-Jubiläums von „Berne bringt ...“ steht nichts im Wege.

Das Programm verheißt entsprechend Feierlich-Festliches: von Brahms die drei letzten Werke für Klavier, Intermezzi und Klavierstücke, und dazu die drei letzten Sonaten von Joseph Haydn.

Mit diesen Sonaten, die so überaus heiter, erfüllt und gelöst klingen, hat es eine besondere Bewandtnis. 1790 war Haydn nach fast 30 Jahren Dienst am Hofe der Esterhazys von einem Tag auf den anderen entlassen worden. Der bisherige Fürst war verstorben, sein unmusikalischer Nachfolger konnte mit Musik nichts anfangen und löste die Hofkapelle auf. Haydn stand praktisch vor dem Nichts.

Da fügte es sich prächtig, dass ein Herr Salomon, ein Hamburger „Impressario“, also ein Konzertmanager, anklopfte, um Haydn für eine Konzertreise nach England zu gewinnen. Haydn, der kein Wort Englisch sprach, zierte sich zielführend, folgte dann aber doch gegen gutes Geld der Einladung.

Im Januar 1791 kam er nach beschwerlicher Reise in England an und wurde dort so überaus herzlich begrüßt, dass er, anders als geplant, bis ins Jahr 1792 blieb. Eine zweite Reise folgte drei Jahre später.

Publikum und Adel rissen sich um ihn, der König bot ihm eine Wohnung an und Haydn erwog ernsthaft, in England zu bleiben.

Dass für ihn in England so unvermutet „Weihnachten und Ostern zusammenfielen“, beflügelte den 60-Jährigen ungemein. Er war unglaublich produktiv, musizierte, dirigierte und komponierte quasi pausenlos.

Während seiner Zeit in England schuf Haydn 250 neue Werke, darunter zahlreiche neue Sinfonien, Kammermusiken – und eben auch jene drei Klaviersonaten, die in Warfleth erklingen werden.

Diese Sonaten, genannt „die drei Englischen“, faszinieren durch ihre mitreißend positive Stimmung. Noch dazu künden sie mit einer für Haydn eher untypischen Virtuosität von einer weiteren Besonderheit ihres Entstehens: Haydn schrieb sie für Miss Janssen, eine hübsche junge Deutsch-Engländerin, die als brillante Pianistin in London große Erfolge feierte.

Die Karte für das Konzert am 16. Dezember kostet 25 Euro, Schüler, Studenten, Auszubildende, Erwerbslose, Geburtstagskinder haben freien Eintritt. Außerdem gibt es einen Sozialtarif für Einkommensschwache, und es gilt die „Warfleth-Karte“ für Anwohner. Weitere Informationen und Bestellungen unter t  04406/920046 (per E-Mail: berne-bringt@t-online.de). Platzvergabe nach Bestelleingang.