Warfleth - Im Kunstlied lässt sich Unaussprechliches jenseits des Alltagsgeschehens ausdrücken. Bilder der Poesie werden durch die Musik in eine klingende Wirklichkeit übersetzt, die verzaubern, beeindrucken und überwältigen kann. Dies war beim Sonntagskonzert des 3. Warflether Liederpfingstens in der Konzertkirche St. Marien zu erleben. Die Sopranistin Eva Resch und der Pianist Francois Salignat präsentierten Kunstlieder von Claude Debussy und Benjamin Britten.
Schon beim ersten Debussy-Lied „La mer est plus belle“ rauschten mit den H-Dur-Arpeggien des Flügels wuchtige Meereswellen, die zum Abbild „schrecklicher und milder Gaben“ und später zum Gebet der Jungfrau Maria wurden, durch die besänftigende, tief geführte Lage der Gesangsstimme. Bei „En sourdine“ aus dem Zyklus der „Fétes galantes“, nach Gedichten von Paul Verlaine, erklang im Klavierdiskant die synkopische Melodie der Nachtigall, kontrapunktisch geführt zur geschmeidig deklamierenden Sopranstimme und eingebettet in das geheimnisvolle Kolorit „Debussy’scher“ Harmonik, vom Traum der Liebe und Sehnsucht singend.
Eva Resch gestaltete alle Lieder mit flexibel geführter Stimme in geheimnisvoller, jubelnder und humorvoller Art. Die Wandlungsfähigkeit ihrer Gesangskunst entsprach in wundervoller Weise dem Wandel der Stimmungen.
Dies wurde maßgeblich unterstützt durch das Klavierspiel von Francois Salignat, das durch eine beeindruckende klangliche Transparenz auch beim dichtesten Klaviersatz auffiel. Dazu verfügte er über eine ausgefeilte Anschlagskultur und eine überzeugend eingesetzte Pedaltechnik, die manche Nebenstimme aus dem Geflecht der Harmonien hervortreten ließ.
Wundervoll und charmant zauberten beide Künstler das humorvolle Bild der tanzenden Puppen im Lied „Fantoches“, wo „sein Töchterchen halbnackt ihren spanischen Piraten sucht“. Da musste zu den bewegten Sechzehntelfiguren des Flügels die Gesangsstimme auch schon mal geschmeidig ins hohe „A“ und dort im Pianissimo verklingen.
In eine ganz andere Klangwelt führten die neun Lieder „Les illuminations“ nach Gedichten von Arthur Rimbaud, vertont durch den englischen Komponisten Benjamin Britten. Die zum Teil recht ungestümen Texte fanden ihren Widerhall in einer energischen, rhythmisch, motorisch geprägten und vorwärtsdrängenden Musik, welche Parodistisches und Dramatisches in einer bildhaften Tonsprache vereint. Britten scheut nicht vor bitonalen Überlagerungen und freitonalen Gesten zurück, die sehr gut zum Textgeschehen passten.
Eva Resch beeindruckte in den dramatischen Szenen mit kraftvoller und sonorer Stimme. Gleichzeitig gelang ihr eine wundervolle Intimität, wie beim lyrischen Gesang zu den Glockenklängen der Klavierquinten im Lied „Phrase“.
Francois Salignat gestaltete die zahlreichen Staccato-Akkorde und die ostinaten Steigerungen mit größter Klarheit, dabei immer die Programmatik des Geschehens im Blick haltend.
Am Ende erklang als zweite Zugabe Debussys berühmtes Lied „Claire de lune“. Nach dem atmosphärisch dichten pentatonischen Klaviervorspiel verzauberte die Sopranistin letztmalig mit ihrem lyrischen Gesang zu dem Text „und ihr Gesang geht in das stille Mondlicht ein“.
