Warfleth - Ein Duo, das sich vornimmt, sämtliche Sonaten für Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven in einem Konzert zu spielen, stellt sich und das Publikum vor eine ganz besondere Aufgabe. Der Cellist Leonard Elschenbroich und Pianist Alexei Grynyuk schafften es am Sonntag, die Zuhörer in der Konzertkirche St. Marien in Warfleth in der Wesermarsch durch alle fünf Sonaten in ihren Bann zu ziehen.

Ihr intensives und von schlafwandlerischer Sicherheit bestimmtes Zusammenspiel war ein Plädoyer für jedes einzelne Werk und warf ein erhellendes Licht auf Beethovens kompositorische Entwicklung im Ringen um die von ihm neu kreierte Form der Duo-Sonate und seine künstlerische Behandlung der Sonatenhauptsatzform.

Jede der Sonaten erhielt ihr eigenes unverkennbares Profil. Dies verlangte von den Interpreten ein großes Spek­trum technischen Könnens sowie die Fähigkeit, musikalische Charaktere von Wildheit und virtuosem Jubel bis hin zu lyrischer Innigkeit exakt zu positionieren.

Leonard Elschenbroich spielte auf seinem obertonreichen Cello von Matteo Goffriller mit variablem und biegsamem Ton, ausdrucksvoll und gesanglich, aber auch zupackend, wenn es die Situation erforderte. Seine Kantilenen beim rezitativisch-dramatischen Beginn der g-Moll Sonate op. 5 Nr. 2 aus Beethovens früher Schaffensphase waren von anrührender Wärme und mit wundervollem Espressivoklang gespielt. Im Mittelsatz der C-Dur Sonate op.102 Nr.1 kam der sonore Klang der tiefen Saiten des Cellos sehr schön zur Geltung.

Lyrischer Höhepunkt war das „Adagio con molto sentimento d’affetto“ aus Beethovens letzter Sonate mit seiner immer vertrackter werdenden Rhythmik, ein Klagegesang in düsterem d-Moll, mit besonderer Intensität dargeboten.

Alexei Grynyuk spielte einen fantastischen Klavierpart. Mit seiner außergewöhnlichen Technik konnte er sowohl perlende Läufe und Arpeggien von größter Virtuosität, als auch klanglich ausgewogene Akkorde mit einer beeindruckenden Klangfarbenvielfalt überzeugend präsentieren. Seine durchdachte Pedalbehandlung sorgte für Klarheit und Transparenz.

Nachdem beide Interpreten nach einem überragend dargebotenen, gut zweieinhalbstündigen Programm in die rastlosen Staccato-Achtel der D-Dur Fuge einmündeten und damit einen grandiosen Schlusspunkt setzten, brach das Publikum in einen stürmischen Beifall mit Ovationen für die Künstler aus.