Garrel - „Man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll Deutsch reden, wie diese Esel tun, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und danach dolmetschen...“ In seinem „Sendbrief vom Dolmetscher“ an seinen Kritiker Johannes Eck macht Martin Luther deutlich, worum es ihm bei seiner Bibelübersetzung ins Volksdeutsche ging.
Im Jahr der Reformation – vor 500 Jahren, genau am 31. Oktober 1517, veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen – befasst sich Professor Dr. Hermann Gelhaus mit genau dieser Intention der Bibel-Übersetzung, die wie kein anderes Werk Einfluss auf den Fortgang der Kirche und der Gesellschaft genommen hat. „Ohne diese Übersetzung“, ist der in Bösel lebende Professor überzeugt, „würden wir heute höchstwahrscheinlich Niederdeutsch sprechen.“ Sogar noch die erste Lutherbibel sei eine niederdeutsche Fassung gewesen. Niederdeutsch sei vor allem durch die Hanse populär gewesen.
Auf Einladung der katholischen Kirche in Garrel – Pfarrer Paul Horst: „Wir sind dankbar“ – wird Prof. Gelhaus am Mittwoch, 31. Mai, ab 19.30 Uhr im Garreler Rathaus über Martin Luthers deutsche Bibelübersetzung sprechen.
Nach welchen Prinzipien hat Luther die Bibel übersetzt? Dieser Frage will Professor Gelhaus dabei nachgehen. Der Unterschied zwischen Volkssprache und grammatischer Sprache „muss diskutiert werden“, meint Gelhaus. Die Frage, die sich stellt: Hat Luther, indem er den Menschen „aufs Maul sah“, den Text der Bibel dem Jargon des flüchtigen Zeitgeistes unterworfen oder der Sprachentwicklung Rechnung getragen. Schließlich, so die Meinung der Kirche seinerzeit, entbehre der Volkssprache jeglicher Grammatik und sei so im ständigen Wandel begriffen – die Zeiten überdauernde Wahrheit der Schrift könne sie gar nicht abbilden.
Für Luther, so Professor Gelhaus, sei es um „die Klarheit der Schrift“ gegangen, darum, diese wieder sichtbar zu machen. Der strenge Hermeneutiker Luther war auf die Urtexte zurückgegangen, auf die hebräische Fassung für das alte Testament, auf die griechische für das neue.
Gelhaus hat sich lange Jahre mit Luther befasst. Aus seiner Feder stammt die Publikation „Der Streit um Luthers Bibelverdeutschung im 16. und 17. Jahrhundert“ aus dem Jahre 1989, in der er sich intensiv mit der Diskussion um Luthers Bibelübersetzung befasst hatte. In diesem Zuge machte Professor Gelhaus eine erstaunliche Entdeckung: Zwei der von ihm untersuchten Kritiker erwiesen sich als identisch: Friedrich Staphylus und der bis dato unbekannte Kritiker Friedrich Traub. Beide seien identisch, hatte der Linguist festgestellt.
