Berlin - In per SMS verschickten Glückwünschen zum Geburtstag steht „Happy Birthday 2u“ statt „Alles Gute“. In E-Mails wird mit einem „OMG“ der Umstand kommentiert, dass in dieser Woche etwa Überstunden anstehen. „Oh mein Gott“ zu schreiben, wäre wohl zu umständlich – und klingt zugegebenermaßen weniger pfiffig als die drei flink in die Tastatur getippten Buchstaben.

Nicht wenige sprechen von Sprachverrohung, andere dagegen von einem Wandel der Sprache. Der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering, sieht es pragmatisch und appelliert: Habt keine Angst vor sprachlicher Verfremdung!

Die Besorgnis über den Zustand der deutschen Sprache ist mindestens ebenso alt wie die Sprache selbst. Das Goethe-Institut will deshalb dem Geschriebenen und Gesprochenen den Pulsdruck fühlen.

Mit einer Veranstaltungsreihe über mehrere Monate unter dem Namen „Deutsch 3.0“ soll es um die Frage gehen, wie sich die deutsche Sprache verändert hat und wohin sie steuert. Der Generalsekretär des Instituts, Johannes Ebert, nennt es eine Standortbestimmung.

Am Mittwochabend gab es in Berlin den Auftakt. Im November sollen die Ergebnisse verschiedener Debatten und Vorträge vorliegen. Auf die Erkenntnisse warten wohl nicht nur Linguisten mit Spannung.

Dass es Veränderungen im Deutschen gibt, ist unstrittig. Allein in die aktuelle Ausgabe des Dudens fanden 5000 neue Worte Eingang unter den insgesamt 140 000 Stichworteinträgen, wie die Geschäftsführerin des Verlags, Marion Winkenbach, sagt. In der ersten Ausgabe im Jahr 1880 waren es noch 27 000. In einer knapp zwei Milliarden Worte und Wortformen umfassenden Datei messen die Duden-Redakteure Veränderungen in der deutschen Sprache.

Der Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung, Detering, warnt vor allzu viel Pessimismus: „Der Magen der deutschen Sprache hat in den letzten 100 Jahren erstaunlich viel verdaut“, resümiert der Germanist. Der Wortschatz sei heute so umfangreich und differenziert wie nie zuvor. Die Angst vor Überfremdung der Sprache sei oft ein Symbol für die Angst vor Überfremdung allgemein.