Rastede - Ein sexistischer Spruch, eine unangemessene Berührung oder gar eine Vergewaltigung: Dass Jugendliche im Umgang miteinander sexuelle Grenzen verletzen, gehört zum Alltag vieler Mädchen und Jungen. Das weiß auch Sonja Eitel-Harms, Beratungslehrerin an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Rastede. Sie ist Ansprechpartnerin für Schüler, Lehrer und Eltern bei verschiedensten Problemen – wie eben auch sexuellen Grenzverletzungen.
„Ich werde damit schon öfter konfrontiert“, erzählt die Lehrerin am Montag in der Schule bei der Eröffnung einer Wanderausstellung zu dem Thema. „Häufig sind es aber gar nicht so dramatische Dinge“, sagt sie. Ein Junge, der ein Mädchen zum Stolpern bringt oder kneift, um es in ein Gespräch zu verwickeln, seien beispielsweise Probleme, die an sie herangetragen werden.
In der Ausstellung mit dem Titel „Echt krass“ soll den Schülern in dieser und der kommenden Woche in fünf interaktiven Stationen vermittelt werden, was sie zu den Themen sexuelle Selbstbestimmung und sexuelle Gewalt wissen sollten. Das Petze-Institut für Gewaltprävention aus Kiel hat die Ausstellung konzipiert, die Schule zeigt sie in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund Ammerland. Mit ihren Lehrern werden die rund 500 Acht- und Neuntklässler sich mit dem Thema auseinandersetzen. Öffentlich ist die Ausstellung allerdings nicht zugänglich.
„Bei den Schülern des achten und neunten Jahrgangs ist die Pubertät in vollem Gange. Sie sind dabei, sich ihre eigene Identität aufzubauen“, sagt Dr. Arnold Bettien, didaktischer Leiter der KGS. Deshalb habe sich die Schule für ebendiese Schüler als Zielgruppe der Ausstellung entschieden.
Bilder, Filme und gesprochene Texte sind Bestandteil der Präsentation. Außerdem können die Schüler Broschüren mitnehmen, die zum Beispiel Flirt-Tipps enthalten.
„Ich bin zuversichtlich, dass die Ausstellung dazu beitragen wird, das Problembewusstsein zu vertiefen“, sagt Schulleiter Gerd Kip. Er hofft, dass Schüler den Mut finden, Grenzüberschreitungen auch zu benennen und sich Hilfe zu suchen.
Diese bietet etwa die Gewaltberatungsstelle Wendekreis des Kinderschutzbundes Ammerland an. Dort arbeitet die Diplom-Sozialpädagogin Ursula Philipp, die an der Ausstellung schätzt, dass diese auch „Anregungen für Handlungsmöglichkeiten“ gibt. Wichtig ist ihr zudem, dass es in der Ausstellung nicht nur um Opfer und Täter geht, sondern dass auch die Rolle von Mitläufern thematisiert wird. Diese wirkten oft unterstützend für denjenigen, der die Grenzen anderer verletzt.
