Oldenburg - Lange Zeit war Segeln auf der Ostsee für Bärbel Woitas mehr als nur ein erholsames Vergnügen. Es war das alljährlich wiederkehrende, große Erlebnis.
Die vielen Bilder vom Meer, von seiner ständigen Wandlung, aber auch von den unterschiedlichen Landschaften haben sich ihr eingeprägt. Im Atelier ergriffen sie von der Künstlerin Besitz und führten sie zu spontanen Aktionen auf der Leinwand. Vielleicht hat es mit der Unberechenbarkeit des Meeres zu tun, dass die Künstlerin häufig einen schwarzen oder tief blauen Bildgrund als Ausgangsbasis für das Abenteuer ihres Bildes gewählt hat.
Die Künstlerin fügt zum Blau oder Schwarz andere, häufig kontrastierende Farben hinzu, lässt das Blau des Wassers nicht unbegrenzt wuchern, wie auch das Meer durch Sandstrände und Felswände der Inseln eingeschränkt erscheint.
Manchmal überzieht ein Grün in vielen Nuancen den anfänglich gesetzten blauen Fleck, lässt ihn noch ahnen, aber nimmt ihm seine Weite. Es ist nicht schwer, hinter diesem gleichfalls spontan gesetzten Grün das Wesen einer Insel zu sehen. Andere Seherfahrungen ergeben sich aus dem Blick der Seglerin in die Tiefe des Wassers, wenn der Meeresgrund sichtbar wird und der Pflanzenwuchs darauf die Farben bestimmt.
Beim erstaunten Betrachten des spontan Gemalten meldete sich der Ordnungssinn der Künstlerin, der in Kursen der Sommerakademie in Norden und in Stunden bei Oldenburger Dozentinnen wie Doris Garduhn geweckt worden war. Die informell gesetzten Flächen erhielten horizontale oder vertikale Linien, die Fläche konnte Raum werden, ohne dass dieser eine feste Begrenzung erhielt. Oder es entstanden Aufblicke auf Landschaften, als wenn sich die Erinnerung an die Seekarten gemeldet hätte, die über Küsten und Strömungen unterrichtet haben. Und wie diese Karten können auch die Leinwände hin und her gedreht werden.
In dieser Arbeitsphase erwacht die Lust am Experiment. Auftragsweisen werden erprobt, etwa das Sprayen von weißen Farbfäden über Bildteile, die den Eindruck von Nebel suggerieren können.
Jedenfalls reduzieren sie die Kraft der nun leicht verhüllten Farben. Da die Bildfläche nicht alle Ideen aufnehmen kann, entstehen kleine Bildserien. Sie grenzen die Selbstständigkeit des Einzelbilds nicht ein, aber sie geben zu erkennen, wie Farbtupfer und Farbenflüsse den Grund verändern und andere Eindrücke vom Wasser und Licht vermitteln. Die Lust am Segeln hat sich in die Lust zu malen verwandelt.
