Oldenburg - „Das Einzige, was ich mir wirklich wünsche für das Edith-Ruß-Haus, ist mehr Unterstützung“, sagte Dr. Claudia Giannetti zum Abschluss ihrer Arbeit in Oldenburg. Nach fast zwei Jahren gibt die 51-Jährige die Leitung des Medienkunsthauses ab, um eine neue berufliche Herausforderung im Ausland anzunehmen. Genaueres darf die gebürtige Brasilianerin, die erst im Oktober 2012 die Nachfolge von Sabine Himmelsbach angetreten und internationales Renommee mitgebracht hatte, aufgrund einer Absprache mit ihrem künftigen Arbeitgeber noch nicht verraten.
Sie glaube aber, ihr Ziel erreicht und einiges dazu beigetragen zu haben, das Edith-Ruß-Haus auch in der Stadt bekannter gemacht zu haben, bilanziert die Kunstwissenschaftlerin und kann das anhand von Zahlen belegen.
Bessere Zahlen
Zehn Ausstellungen – darunter „Spiel und Spielregeln“ mit dem renommierten Filmemacher Harun Farocki und „Generation i.2“ über die Internetgeneration – hat sie in Oldenburg kuratiert. Dabei ist es ihr gelungen, die Besucherzahlen um mehr als 70 Prozent von 4600 im Jahr 2012 auf 8000 im Jahr 2013 zu steigern. Den jährlichen Etat von 60 000 Euro konnte sie mit Hilfe von Sponsoren um 148 000 Euro aufstocken. Unter allen drei städtischen Museen (Edith-Ruß-Haus, Stadtmuseum, Horst-Janssen-Museum) war das die größte Zahl an Drittmitteln, wie sie betont.
Der Auftritt auf dem Bremer Kunstfrühling 2014, bei dem das Edith-Ruß-Haus mit zwei Installationen vertreten war, lockte mehr als 4600 Besucher und war nach ihren Worten „der meistbesuchte Stand“ überhaupt. Unter Giannettis Leitung wurde 2013 der Nachwuchsförderpreis der Sparda Bank eingeführt, mit dem Medienkünstler unterstützt werden. Um dem Medienkunsthaus im Stadtbild mehr Sichtbarkeit zu verleihen, hat sie zudem Maßnahmen im Außen- und Fassadenbereich vornehmen lassen, darunter die Dach-Installation des Institutionsnamens in leuchtender Schrift.
Trotz all dieser Erfolge sieht Claudia Giannetti, die an der Universität Barcelona über Ästhetik der Medienkunst promovierte und mehrere Sprachen fließend beherrscht, noch Verbesserungsbedarf, nicht nur finanziell. Dass es keine eigene Museumspädagogin für das Edith-Ruß-Haus gebe, „ist schon ein Handicap für die Zukunft des Hauses“. Es sei ungemein wichtig, dieses Angebot zu erweitern und dem Haus „eine richtige Struktur“ zu geben.
Befristete Stelle
Aktuell ist die letzte von ihr kuratierte Ausstellung „Sükran Moral“ noch bis zum 31. August zu sehen. Damit ist auch ihre Arbeit in Oldenburg offiziell beendet. Die Leitungsstelle wird in der kommenden Woche ausgeschrieben. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Dr. Friedrich Scheele, Direktor des Amtes für Museen, Sammlungen und Kunsthäuser, kommissarisch die Leitung. Er betonte am Donnerstag die „schnelle Ausschreibung“ der Stelle. Er könne den Wechsel nachvollziehen – und dass eine neue Stelle für Frau Giannetti „attraktiv“ sei, zumal die Oldenburger Position stets auf zwei Jahre befristet ist.
Giannettis Weggang sei kein Zeichen gegen die Stadt. „Alles sähe vielleicht anders aus“, so Scheele, „wenn man die Leitungsstelle in Oldenburg besser ausstatten könnte.“ Aber im Grunde sei er froh, dass man überhaupt ein kleines, feines Haus für Medienkunst in Oldenburg habe.
