Elsfleth - Wenn es auf der Leinwand in der Aula des Fachbereichs Seefahrt wieder einmal rauscht und flimmert, wenn der Ton dröhnt und nur mit Mühe zu verstehen ist, wenn der blond gelockte und reichlich arrogante Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer – mit drei F, eins vor und zwei nach dem ei“ – zum putzigen Gymnasiasten mutiert, dann ist in der Aula Kult und helles Vergnügen angesagt.
Mini-Wecker im Angebot
Der Film „Die Feuerzangenbowle“, gedreht 1944 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle, flimmerte zum vierten Mal in Folge über die Leinwand – dafür hatten am Donnerstagabend wieder Studierende der Seefahrtschule und der Lions-Club Nordenham/Elsfleth gesorgt. Selbstverständlich auch für zwingend notwendige Utensilien der interaktiven Aufführung: An den Getränkeständen im Foyer gab es für die gut gelaunten Bowlenfans mehr als nur einen „wenzigen Schlock“, an der Abendkasse waren Mini-Wecker im Angebot, weiter wurden für eine stilgerechte Aufführung gefüllte Reagenzgläser und Taschenlampen benötigt – Wunderkerzen waren aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt, zum Knabbern wurde Studentenfutter von einem Geldinstitut gesponsert.
Bevor Zeremonienmeister Alexander Schuhr (Lions-Club), wie immer schick im Frack, das Publikum auf die punktgenauen Einsätze der Utensilien einstimmte, wies er auf den guten Zweck der Veranstaltung hin. Der Erlös kommt wieder der Hausaufgabenhilfe der Grundschule Elsfleth zugute. Alexander Schuhr: „Die Rektorin Margret Schnars lässt grüßen und bittet alle Gäste, heute doppelt soviel Glühwein wie bisher zu trinken“.
Seit 1987 Kult
Wie kam es überhaupt dazu, dass diese Komödie an deutschen Universitäten und Hochschulen zum Kult wurde? Auch das hat Alexander Schuhr herausgefunden: „Zum einen waren die Filmrechte günstig zu erwerben. Zum anderen trat 1987 in der Sendung Wetten, dass.. ein Student der Uni Göttingen an, um zu beweisen, dass er alle Stichworte des Films mit dem nächsten Satz ergänzen konnte. Sein Wettpate war damals Heinz Rühmann. Der Kult war geboren, als am Montag nach der Sendung 7500 Leute vor dem Büro der Uni standen und Eintrittskarten orderten.“
Genüsslich verfolgten die rund 200 Besucher in der Aula die leicht angestaubten Pennälerstreiche, und nur mit dem Ausspruch des gestrengen „Dr. Crey“ ging man nicht konform: „Mit der Schule ist es wie mit der Medizin, sie muss bitter schmecken, sonst nützt sie nichts!“ An diesem feuchtfröhlichen Party-Abend schmeckte die Schule süß – dank Glühwein, Punsch und Feuerzangenbowle.
