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Mythos Van Gogh Vincent Superstar

Annette Birschel

Amsterdam - Ein Weltstar: Sein Porträt prangt auf T-Shirts und Kaffeebechern. Poster mit den „Sonnenblumen“ oder „Mandelblüten“ hängen in zahllosen Wohnzimmern. Über ihn wurden Kinofilme gedreht, Romane geschrieben, eine Oper komponiert. Man findet ihn auf den Pariser Laufstegen der Haute Couture, und natürlich hat er mehrere Apps fürs Smartphone. 125 Jahre nach seinem Tod am 29. Juli sind Millionen Menschen im Bann des Malers Vincent van Gogh (1853–1890).

Vergleich mit Mozart

„Dabei kannte ihn kaum einer, als er starb“, sagt Axel Rüger in Amsterdam. Der Direktor des Van-Gogh-Museums wundert sich nicht über den Kultstatus des Malers. Er sieht es täglich mit eigenen Augen: lange Warteschlangen vor dem Eingang, darunter auffällig viele junge Leute. „Just beautiful“, sagt etwa die 23-jährige Studentin Claire aus den USA. Und Thorsten (19) aus dem Ruhrgebiet hat nach seinem Besuch nur ein Wort: „Wahnsinn“. 2014 kamen rund 1,4 Millionen Besucher.

Der niederländische Maler gilt als ein Wegbereiter der modernen Kunst. Doch das allein erklärt nicht das Geheimnis der großen Faszination. Der deutsche Museumsdirektor zögert nicht lange. Er vergleicht van Gogh mit Mozart, Amy Winehouse oder James Dean – Genies, die früh starben. Was verbindet den Maler mit dem Komponisten, der Rocksängerin und dem Filmstar? „Person und Werk sind bei van Gogh unauflöslich miteinander verbunden.“

Vor allem durch den umfangreichen Briefwechsel mit Vincents Bruder Theo, dem Kunsthändler in Paris, ist viel über ihn bekannt. Der Pfarrerssohn aus der südniederländischen Provinz Brabant haderte mit seinem Leben. Er zog rastlos durch die Niederlande, England, Belgien, Frankreich. Er arbeitete im Kunsthandel, war Lehrer, Buchverkäufer, Prediger. Erst im Alter von 27 Jahren entschied er sich, Maler zu werden. Nur zehn Jahre später starb er.

Diese Biografie ist ein fruchtbarer Boden für Mythen: van Gogh – das verkannte Genie. Der arme Künstler. Der Verrückte. Vieles stimmt so nicht, sagt Rüger. „Van Gogh ist nicht einfach als Genie vom Himmel gefallen.“ Er hatte sich selbst lange intensiv mit Kunst befasst und gelernt.

Und der Wahnsinn? Schon zu seinen Lebzeiten nannten ihn die Bauern in Nuenen, wo sein Vater Pfarrer war, „den Verrückten“. Das kann man sich denken: Ein junger Mann mit roten Haaren und durchdringendem Blick marschiert mit der Staffelei bei Wind und Regen durch die Landschaft – in einem traditionellen Dorf ist das zumindest ungewöhnlich. Aber irre war er nicht. Van Gogh arbeitete diszipliniert und reflektierte viel. Doch er litt zunehmend unter depressiven Anfällen und Wahnvorstellungen.

Erlöser der Kunst

Die bittere Armut ist sicher eine romantische Legende. Vincent litt keine Not. Sein Bruder Theo unterstützte ihn großzügig. Zu Lebzeiten verkaufte er zwar kaum ein Bild. Dennoch war er auch nicht das verkannte Genie, wie viele meinen. Schon vor seinem Tod war die Kunstkritik auf den jungen Niederländer aufmerksam geworden, dessen Stil in so gar keine Schublade passte. Der französische Kritiker Albert Aurier sah in dem Maler des „Sämanns“ im Januar 1890 sogar eine Art Messias, „den Erlöser, den Sämann der Wahrheit, der den schlechten Zustand unserer Kunst verbessern wird“.

Für den Kenner Rüger ist „das uneingelöste Versprechen“ das Geheimnis der Faszination. Vincent van Gogh bleibt immer verbunden mit der Frage: Was wäre geschehen, wenn er sich nicht am 27. Juli 1890 in die Brust geschossen hätte? Zwei Tage später erlag er in Auvers-sur-Oise seinen Verletzungen.

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