Jever - „Blau rechts, gelb geradeaus“: Andreas Heinen steht an der Kreuzung vor dem Gobelinsaal des jeverschen Schlosses. Mit beiden Armen zeigt er die Richtung, in die jede der beiden Gruppen weiterziehen soll. „Als Wegweiser macht er sich gut“, scherzt ein Gast des Wandelkonzerts.
Der Begegnungsverkehr in den Fluren des Schlosses führt zu lustigen Begegnungen. Es gilt, auf dem Weg zum nächsten Konzert den Bauch einzuziehen und dabei bloß nicht den Anschluss zur Gruppe zu verlieren. Auch das kommt vor – und so könnte man das Wandelkonzert zum Abschluss der Schlosskonzerte 2016 auch in diesem Jahr als „Irrkonzert“ bezeichnen.
Es war schöne, vielfältige und anspruchsvolle Musik, die Heinen und Christel Ney als Organisatoren ausgesucht hatten: Das „hässliche Entlein“ von Sergej S. Prokofjew verwandelte sich im Gobelinsaal im Gesang von Thomas Stückemann und mit Reinhard Gräler am Flügel in den schönen Schwan, ebenfalls von Prokofjew erklangen die „Ferkelchen“. Das Trio Coiffeur spielte im Eulenturm-Café Selbstgeschriebenes – und alles klang entspannend-munter und lud zum Dahinträumen ein. Genauso die Stücke des Pindakaas-Quartetts, das die Städte Sevilla, Granada und Asturias aus Isaac Albéniz „Suite espanola“ vorstellte.
Unerhörtes spielte sich derweil im Biedermeierzimmer ab: Dort stritten sich die beiden Violinisten Kathi Kelsch und Lothar Nierenz um die Bratsche – und spielten immer wieder gemeinsam darauf. Die „Sonate für Bratsche vierhändig und Cembalo“ – das spielte Joachim Vogelsänger – stammt von „Bachs Jüngstem“: P.D.Q. Bach ist eine Parodie des US-amerikanischen Komponisten und Musikprofessors Peter Schickele.
Natürlich wunderschön zum Einstieg in das Wohnzimmerkonzert die Deux Interludes von Jacques Ibert, bei denen Angela Dohmen den Flötenpart übernahm.
Großartig auch Men at Voice – vor allem ihre Liebeserklärung an die Ammerländer Milchkuh.
Andreas Heinen machte sich übrigens nicht nur als Wegweiser gut: Damit das Plingpling der Hausorgel besser zu hören war, pumpte er die Blasebälge per Hand.
Romantisch der Kehraus: Der Posaunenchor Jever um Kantor Klaus Wedel spielte auf dem fackel-erleuchteten Schlosshof Abendlieder.
