Wildeshausen - Familie Schunk hat schon Erfahrung damit, dass Heiligabend einer fehlt. Wenn Mutter Sabine an diesem Mittwoch mit Sohn Marvin (19) und Tochter Theresa (20) Geschenke austauscht, hat Ehemann und Vater Werner seine Präsente im fernen Afghanistan schon erhalten – aber nur die, die er dort unten auch gebrauchen kann. „Von allen anderen bekommt er Fotos per Whats-app geschickt“, schmunzelt Theresa.
Umgekehrt funktioniert das genauso. „Papa hat Fotos von T-Shirts gesendet und ich konnte mir eins aussuchen“, berichtet Marvin und zeigt auf eins der Päckchen unter dem Baum, das ihm aus der Ferne zugeschickt wurde.
Seit Anfang November ist Werner Schunk, der eigentlich im Logistikbataillon 161 in Delmenhorst stationiert ist, in Mazar-e-Sharif. Dort leistet der Stabsfeldwebel aus Wildeshausen Logistikdienst (die NWZ berichtete). Genau diese Tatsache, dass er keine Außeneinsätze hat, beruhigt die Familie daheim ein bisschen. Außerdem habe man diesmal einen langen Vorlauf gehabt, um sich aufs Schunks dritten Auslandseinsatz einzustellen, sagt Ehefrau Sabine.
Anders war das 2010, als Schunk in Kunduz half, die afghanische Armee auszubilden, und die Lage wesentlich gefährlicher war. „Damals konnten wir nur ab und zu telefonieren und skypen und haben uns zwischendurch große Sorgen gemacht“, erinnert sich Sabine Schunk.
Dass ihr Papa dieses Jahr Weihnachten nicht dabei ist, finden Marvin und Theresa gar nicht so schlimm. „Härter war das Weihnachtsfest im Jahr 2000, als Werner im Kosovo war“, bestätigt Sabine Schunk. Marvin hatte gerade seine letzte Chemotherapie gegen den Blutkrebs hinter sich, die Familie war umgezogen, „und wir hatten nicht mal einen Weihnachtsbaum“, sinniert die Wildeshauserin, die damals lieber bei Eltern und Schwiegereltern feierte.
„Ich hätte es schlimmer gefunden, wenn Papa im Sommer bei meiner Abschlussprüfung als Bäcker nicht dabei gewesen wäre; denn das war schließlich was Einmaliges, während Weihnachten ja jedes Jahr wiederkommt“, sagt Marvin.
Auch Theresa war es wichtiger, im vergangenen Sommer beim Abiball mit Papa zu tanzen als jetzt gemeinsam Geschenke auszupacken. Und Ehefrau Sabine freut sich jetzt schon darauf, ihren Gatten an ihrem Geburtstag Ende März wieder in ihre Arme schließen zu können.
