Oldenburg - „Weihnachten“ auf Deutsch, „Noël“ auf Französisch – auf Balanka gibt es gar kein Wort dafür. Balanka, das ist das Dorf, in dem ich hier in Togo für ein Jahr im Freiwilligendienst bin. Die Sprache heißt wie das muslimische Dorf und wird ausschließlich hier gesprochen. Jedes Kind kennt das Zucker- und das Opferfest gut, Weihnachten aber kaum.
Zusammen mit meiner Projektpartnerin Jenny, meinen 14 Gastgeschwistern zwischen zwei und 20 Jahren, den zwei Gastmüttern und dem Gastvater werden wir das Fest in großer Runde feiern.
Die Vorbereitungen laufen, Keksrezepte werden gesammelt, Sternchen gebastelt, denn die prall gefüllten Säckchen des Adventskalenders an der Mauer leeren sich stetig. Die Vorfreude steigt, die Tage werden gezählt, das Menü des Festtages immer wiederholt. Nein, es wird weder ein Festbraten, noch Kartoffelsalat mit Würstchen sein. „Riz et spaghetti“ – Reis mit Spaghetti, das Lieblingsessen eines jeden Kindes hier in Balanka werden wir am 24. Dezember im weihnachtlich geschmückten Hof bei hochsommerlichen Temperaturen essen.
Und der Weihnachtsbaum? Da wird uns hier in den Tropen der Limettenbaum direkt neben dem Brunnen dienen. Geschenke werden auch drunter liegen. Ich bin mir sicher, dass dort auch einige Bücher zu finden sein werden. Wörterbücher und der „Kleine Prinz“ von Saint-Exupéry sind hier besonders beliebt.
Bücher, das ist das, worum sich meine Arbeit hier hauptsächlich dreht. Ich arbeite im Bildungs- und Kommunikationszentrum Balanka, der Bibliothek des Dorfes. Sie wurde 2006 vom deutschen Verein BiBa e.V. errichtet. Initiiert wurde das Projekt von Koko N’dabi Affo Tenin, die selbst in Balanka aufwuchs und nun in Potsdam lebt.
Die Bibliothek, eines der wenigen Häuser mit Strom, ist der Treffpunkt Balankas. Abends, nachdem um 18 Uhr die Sonne untergegangen ist und die Kinder gerade aus der Schule kommen, geht es dort lebhaft zu. Im Mittelpunkt unseres Programms steht die Alphabetisierung der Kinder. Täglich finden Clubs statt, in denen wir mit den Kindern auf unterschiedlichen Niveaus das Lesen, Englisch, Mathe und vieles andere lernen und üben. Außerdem wird gesungen, gelesen, gelernt und es werden Hausaufgaben erledigt. So bringt die Bibliothek täglich wieder Licht nach Balanka und in das Leben der Menschen hier.
Valéries Mutter Dörthe Heuer hat bereits ein 13 Kilo schweres Weihnachtspaket auf den Weg nach Afrika geschickt. Für ihre Tochter selbst ist allerdings nur das Wenigste darin, erzählt sie. „Valérie hat sich für sich nur einen Schraubenzieher und ein Messer gewünscht, auch weil sie da nicht herausstechen will.“ Dafür gibt es zahlreiche Scheren, Farbe und Tusche zum Basteln für alle.
Wer Valéries Arbeit unterstützen möchte, kann etwas an den Verein Bildung für Balanka spenden. Valérie, die auch in einem Internet-Blog (siehe unten) berichtet, sagt: „Mantemama! – das heißt Danke auf Balanka.“
