WEIMAR - Erbe verpflichtet: „Der Name Bauhaus ist für uns nicht bloß eine Reminiszenz, der Name ist Programm“, sagte Gerd Zimmermann, Rektor der Bauhaus-Universität am Mittwoch. Die Bauhaus-Universität in Weimar erinnert mit Festakt, Ausstellungen, Kolloquium und Festen an die Gründung der gleichnamigen Design-Schule am 1. April 1919.
„Wir verstehen uns jedoch als ein neues Bauhaus des 21. Jahrhunderts, für das das Bauhaus von Gropius eine wichtige Adresse ist.“ Die Hochschule sei durchaus keine Imitation der alten Schule, aber sie reflektiere die Idee und das Konzept der Bauhäusler vor 90 Jahren auf ihre heutige Tragfähigkeit, etwa soziale Aufgaben von Bau und Design.
„Insofern sagen wir auch, die Idee des Bauhauses ist noch nicht eingelöst, sondern von aktueller Brisanz“, führte Zimmermann aus. Die Architekten, Gestalter und Medienwissenschaftler heute treffen für Zimmermann auf völlig veränderte technologische Voraussetzungen und eine globalisierte Welt, die 1919 erst in den Anfängen steckte. Daraus ergebe sich die Frage, welche Bedeutung die von Gropius geforderte Einheit von Kunst und Technik in der digitalen Welt habe.
Die Aktualität des Bauhauses für Gegenwart und Zukunft stand am Nachmittag im Mittelpunkt des Festaktes im Deutschen Nationalmuseum. Als Ehrengast war Professor Tomás Maldonado von der Polytechnischen Universität Mailand eingeladen. Er hatte in den 1950er Jahren an der neuen Hochschule für Gestaltung in Ulm gelehrt und war später ihr Rektor. Der heute 87 Jahre alte Maler, Designer und Denker hatte dort zur Eröffnung den greisen Walter Gropius kennengelernt und stand mit ihm im regen Briefwechsel.
„Wir müssen uns auch den Ballast der Geschichte gefallen lassen“, sagte Zimmermann im Blick auf die Anfeindung der Design-Schule. „Es war keine dahinplätschernde Geschichte ohne Brüche.“ Das Bauhaus war 1925 durch die rechtskonservative Regierung Thüringens vertrieben worden. In Dessau und später in Berlin wurden viele Projekte und Arbeiten verwirklicht, für die in Weimar die Grundlagen geschaffen wurden. 1933 verboten die Nationalsozialisten das Bauhaus. Viele Professoren und Studenten emigrierten und trugen damit die Ideen des Bauhauses in die Welt.
Weitere Fotos zum Jubiläum des Bauhauses unter: www.NWZonline.de/fotogalerie-kultur
