Oldenburg - Der Pluspunkt geht an den Fliegerhorst, sowohl gefühlt als auch nüchtern beobachtet. Aber beim Umzug von Georg-Friedrich Händels Oratorium „Saul“ ins Große Haus handelt sich die Traditionsspielstätte des Staatstheaters als Gegenpart auch keine Minuspunkte ein.

Die szenische Schöpfung von Regisseurin Lydia Steier und ihrer Bühnenbildnerin Katharina Schlipf verfehlt bei der Wiederaufnahme auch auf der kleineren Bühne ihre Wirkung nicht. Dieser „Saul“ bleibt seit der Premiere im Mai 2011 eine der ganz großen Inszenierungen. Sie ist als eine von drei Kandidaten für den „Faust“, den höchsten Theaterpreis in Deutschland, nominiert, der am 10. November vergeben wird.

Verloren geht im ersten Teil die Dimension der Weite. Auf der Fliegerhorst-Bühne schweifte nicht nur der barocke Pomp üppiger aus. Auch die Entrücktheit von König Saul über den Wolken schien drastischer. Die Neid- und Hassteufelchen als Berater der Herrscher wirkten an den Rändern hinterhältiger. Im Zusammenbruch der Welt und im Untergang der Saul-Dynastie erhielten Leerstellen im Raum Bedeutung.

Die aktuelle Umsetzung nimmt mit verstärkter Dichte gefangen. Sie dramatisiert die Auseinandersetzungen Sauls mit seinen Kindern. Erneut glänzen Chor und alle Sänger von Derrick Ballard über Magid El-Bushra oder Inga-Britt Andersson bis zu Mareke Freudenberg. Erfreulich ist die kontinuierliche Stimmfestigung bei Michael Pegher als neuer Jonathan.

Das Staatsorchester mag nicht ganz die filigrane Differenzierung wie mit Andreas Spering erreichen. Aber unter Thomas Bönischs Leitung hält es hohe Spannung mit schlüssigen Tempi und markig herausgearbeitete Passagen wie im Trauermarsch.

Der Wechsel der Spielstätte hat für die Regie durchaus Bedeutung. „Die Inszenierung war über die Bühne hinaus auf das Umfeld zugeschnitten“, sagt Lydia Steier. So schritt die neue Gesellschaft in eine Umgebung hinein, die sich wie der Fliegerhorst radikal in eine Brache verändert hat. Im Großen Haus nun korrespondiert der Bühnenprunk anfangs prächtig mit dem Theaterraum. So feiert sich die Vergangenheit, ehe die Moderne hereinbricht. Vielleicht wirkt die graue Uniformiertheit der Gesellschaft am Ende dadurch noch bedrückender.