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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wellen schwappen bis zum dritten Rang

24.11.2014

Oldenburg Die Tschechen haben ihre offizielle Nationalhymne. „Kde domov muj – wo ist meine Heimat?“ singen sie. Aber sie haben auch eine inoffizielle: „Die Moldau“, jene Melodie eines Flusses, dem Friedrich Smetana ein grandioses Denkmal gesetzt hat. Auch zum Wellenschlag des Wassers lässt es sich singen. Thomas Honickel als Dirigent des Oldenburgischen Staatsorchesters demonstriert das praxisnah im 1. Familienkonzert.

Die Tschechen haben zur Moldau-Melodie einen eigenen Text. Mit dem deutschen hingegen ist das, nun ja, so eine Sache. „Alle meine Entchen“? Richtig gehört. Honickel verbindet in zwei kleinen Variationen die Moldau-Noten mit denen des Kinderliedes. Parkett und Ränge im voll besetzten Großen Haus summen mit. Kinder, Jugendliche und Eltern spüren: Hinter großer Musik stecken oft umwerfende Einfachheiten.

Es gibt Gewusel auf der Bühne und Bewegung im Zuschauerraum auf diesem Ausflug in die Wasserwelt. Da schwappt die Ola-Welle hoch bis in den dritten Ring. So leicht ist dem Tempo in der Gigue aus Georg Philipp Telemanns Wassermusik „Hamburger Ebb’ und Flut” gar nicht zu folgen.

Da geben sich die Mädchen und Jungen vom „Klanghelden“-Chor des Theaters mit Friedrich Silchers Lied von der Loreley schon richtig professionell. Und in der Zugabe lassen sie dann den wohligen Schauer der „Pirates of the Carribean“ spüren. Auf die Bühne traut sich spontan und kess eine besondere Klangheldin: Johanne. Mit Schlagzeuger Andreas Heuwagen produziert sie am Xylofon die Luftbläschen im „Aquarium“ von Camille Saint-Saëns.

Gewässer-Verunreinigungen gibt es in einem Familienkonzert natürlich nicht. Da kann das Orchester bei Max Bruchs Loreley-Ouvertüre ebenso unter die Oberfläche des Rheins tauchen wie in die Moldau, ohne den Durchblick zu verlieren. Bei allem Elan des Musizierens sind Motive und Klangfarben sauber herausgearbeitet. Alles ist Musik reinsten Wassers.

Wer weiß, vielleicht hätte die Moldau auch für die Deutschen eine noch größere Bedeutung bekommen. Am Mündungspunkt in Melnik nördlich von Prag hat sie schon 433 Kilometer hinter sich, die Elbe erst 258. Folglich: „Die Elbe müsste noch in Hamburg eigentlich Moldau heißen”, sagt Honickel. Für die Musik ist sie sowieso verloren. Niemand hat sich berufen gefühlt, eine Tondichtung „Die Elbe“ zu komponieren.

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