Sedelsberg - Zahlreiche Namen sind im Gästebuch in der Kirche St. Petrus Canisius in Sedelsberg zu finden. Namen von Menschen aus allen Ortsteilen des Saterlands, die sich bereits die Ausstellung „Barmherzigkeit verändert“ angeschaut haben, die seit dem 4. Oktober in der Kirche zu sehen ist. Wie berichtet, hatte Dr. Ludger Heuer, Leiter der Pressestelle des Bischöflich Münsterschen Offizialates, Personen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen aus dem Oldenburger Land zum Thema Barmherzigkeit interviewt und fotografiert. Die Ergebnisse wurde verkürzt auf 15 Aufstellern festgehalten. Anlass war, dass Papst Franziskus für 2016 zum Jahr der Barmherzigkeit eingeladen hat.

„Das Interesse ist da. Es sind schon einige da gewesen“, freute sich Pfarrer Ludger Fischer. Am Dienstag besuchten Ehrenamtliche der Caritas die Ausstellung. Die persönlichen Erfahrungen der interviewten Menschen seien im Gespräch mit eigenen Erfahrungen mit Barmherzigkeit ergänzt worden, sagte Fischer. Es lohne sich, darüber ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen, sei der Tenor der Besucher gewesen. Allgemein hätten sich viele Besucher beeindruckt von der Ausstellung gezeigt.

Und beeindruckend sind auch die befragten Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist zum Beispiel Hans Lammers (72). Er ist Vorsitzender des Weißen Rings Friesoythe-Altenoythe, hilft Opfern von Gewaltverbrechen. 44 Jahre hat er bei der Polizei gearbeitet und auch mit Tötungen, Gewaltverbrechen und Misshandlungen zu tun gehabt. „Wir versuchen, den Leuten zu helfen. Das ist für mich Barmherzigkeit. Vor allem, wenn die Leute sich später für diese Hilfe bedanken. Das reicht mir“, sagte Lammers im Interview mit Heuer.

Auch zwei Häftlinge der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta kommen zu Wort. Die eine Frau sitzt zum ersten Mal wegen Steuerhinterziehung in Haft, die andere zum dritten Mal wegen Drogenmissbrauchs und Beschaffungskriminalität. „Barmherzigkeit ist etwas, was mein Leben oder meine Seele auffängt. Etwas, was mir gut tut und was ich mir selbst nicht geben kann. Wo ich auf etwas oder auf jemanden angewiesen bin und es geschenkt bekomme“, sagte Erstere. „Barmherzigkeit ist für mich seelische Wärme“, sagte Letztere im Interview mit Heuer.

„Ich habe das Wort Barmherzigkeit noch nie benutzt“, so die Aussage von Erna de Vries, Halbjüdin und Auschwitz-Überlebende. In Auschwitz sei für Barmherzigkeit kein Platz gewesen. Diese habe sie erst erlebt, als ihr Heim vom Mob zerstört gewesen sei und eine Nachbarin etwas zu essen gebracht habe.

Eindrucksvoll schildert Heuer auch Lebensumstände der befragten Personen, lässt Emotionen wach werden. Man wird betroffen, ist erstaunt über die vielen unterschiedlichen und persönlichen Antworten darauf, was für die Interviewpartner Barmherzigkeit ist und wie sie diese erlebt haben. Langfassungen der Interviews sind in einem ausliegendem Begleitheft in der Kirche zu finden. Infos zu der Wanderausstellung gibt es auch auf der Homepage des Offizialats. Sie ist in Sedelsberg noch bis zum 16. Oktober, täglich von 9 bis 18 Uhr, zu sehen.

Tanja Mikulski
Tanja Mikulski Redaktion Münsterland