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Krimi-Autorinnen Wenn brave Hausfrauen auf Mörderjagd gehen

Stephan Onnen

Hude - Klaus Keese sagt es mit vornehmer britischer Zurückhaltung: Dorothy L. Sayers (1893 - 1957) habe nicht der Vorstellung von einer gut aussehenden Dame entsprochen. „Sie war eine füllige Matrone“, wird Keese deutlicher. Und doch liegt die englische Autorin, deren Romane zu Klassikern der Kriminalliteratur geworden sind, dem Delmenhorster besonders am Herzen. „Sie ist mir unter allen Krimi-Schriftstellerinnen die Liebste“, betont Keese.

Rund 30 Zuhörer

An seiner Begeisterung ließ der ehemalige Leiter der Realschule Süd in Delmenhorst am Donnerstagabend rund 30 Zuhörer in der Huder Wassermühle teilhaben. Im Rahmen der von Buchhändlerin Gerburg Schaller initiierten Reihe „Huder Lesevergnügen“ stellte er neben Miss Sayers mit Elizabeth George (* 1949) und Patricia Highsmith (1921 - 1995) zwei weitere herausragende „Crime Ladys“ vor.

Dabei haben die drei Damen eigentlich nicht sonderlich viel gemeinsam: Sie sind keine Zeitgenossinnen und schreiben im klassischen Sinne nicht einmal alle Krimis. Was sie eint, ist ihr großartiges literarisches Können. Alle drei verkörpern laut Keese den Typ „brave Hausfrau“. Und alle haben Serienhelden erschaffen: Miss Sayers ihren Lord Peter Wimsey, Miss George ihren Inspector Thomas Lynley und Miss Highsmith ihren Hochstapler Tom Ripley.

Keese machte keinen Hehl aus seiner Vorliebe für Sayers, der er einen Großteil des Abends widmete: „Sie steht für gute Geschichten, glaubhafte Charaktere, wohldurchdachte Morde, authentische Dialoge und atmosphärische Schilderungen“, lobte der Krimi-Kenner. Er hat schon als Jugendlicher Sayers gelesen. Angefangen hatte es mit Kalle Blomquist. „Eines seiner Vorbilder war Lord Wimsey. Dadurch bin ich auf Dorothy Sayers gekommen“, erzählte Keese.

Ihn fasziniert, dass Sayers Krimis einen Einblick in die englische Gesellschaft der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts geben. Als Beispiel nannte Keese „Ärger im Bellona-Club“. Mit ihren Beschreibungen der Clubmitglieder habe sie den britischen Snobismus lächerlich gemacht. „So müssen Sie die Romane lesen – als Karikatur dessen, was um sie herum geschah“, forderte Keese seine Zuhörer auf. Hauptfigur Lord Peter Wimsey mache als Amateurdetektiv in den 13 Romanen eine Entwicklung durch – vom oberflächlichen Aristokraten zum realistischen Menschen mit charakteristischen Eigentümlichkeiten, Fähigkeiten und Schwächen.

Feministisches Buch

Eine wichtige Rolle spielt dabei Wimseys Beziehung zur Kriminalschriftstellerin Harriet Vane, die den damals noch stark verpönten Anspruch des weiblichen Geschlechts auf Gleichberechtigung verkörperte. Das 1935 veröffentlichte Werk „Aufruhr in Oxford“ sei eines der ersten feministischen Bücher, für Keese gar ein „Angriff auf die Sozialdoktrin der Nazis“.

Der ehemalige Englischlehrer war sogar Mitglied in der Dorothy Sayers Society – als vierter Deutscher.

Die eigentliche „Queen of Crime“, Agatha Christie, lässt Klaus Keese dagegen kalt: „Sie finde ich zum Sterben langweilig.“

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