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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wenn das Elend auf wunderbare Weise glänzt

14.01.2017

Berlin John Fante ist neben Jerome D. Salinger einer der bekanntesten unbekannten Autoren der USA. Charles Bukowski liebte Fante, hielt ihn gar für einen Gott. Das ist etwas übertrieben und führt vielleicht auf eine falsche Spur: Fante ist in seinen Formulierungen längst nicht so abfällig, nicht so hart, nicht so böse, nicht so sexorientiert wie Bukowski.

Fante (1909–1983) ist heiterer, weniger zynisch. Aber eines verbindet Fante gewiss mit Bukowski: Beide können große, wichtige, tolle Geschichten in einfachen, klaren, schönen Worten erzählen, die dann einen Sog entwickeln. Ein Beispiel für diese Prosa ist der jetzt von Alex Capus neu übersetzte Fante-Roman „1933 war ein schlimmes Jahr“.

Gerade einmal 134 Seiten misst das Buch. Der Ich-Erzähler ist 17 und gefangen in einer kleinen Stadt am Fuße der Rocky Mountains. Soll er Maurer werden wie der Vater? Nein, Dominic Molise möchte ausbrechen, weg von dort. Aber weder seine armen Eltern italienischer Herkunft noch seine Umgebung machen das möglich. Es gibt nur eine Hoffnung: Dominics linker Arm. Keiner, so wissen alle, hält den Baseballschläger so gut, keiner schlägt so gut. Dominic träumt und verfolgt verrückte Ideen…

Fantes „1933 war ein schlimmes Jahr“ ist ein wunderbar zu lesendes Buch mit knackigen Dialogen, witzigen Szenen, feiner Selbstironie und kurzen Sätzen wohltuend jenseits von teutonischer Lebensgrübelei. Wie in „Arturo Bandini“, einem der berühmtesten Romane von Fante, ist der Held dauernd pleite.

Es geht, wie der Schweizer Autor und Übersetzer Capus treffend anmerkt, bei Fante generell um Einwanderer, die sich in einer angelsächsisch dominierten Welt Ruhm und Reichtum erkämpfen wollen – ein Kosmos, der sich in allen, viel zu wenigen Büchern Fantes findet, eine Feier des glänzenden Elends und peinlichster Szenen.

Leider gibt es von Fante nicht mehr viel zu entdecken: Er gab sich nach Rückschlägen der Verlockung Hollywoods hin, schrieb Drehbücher. „1933 war ein schlimmes Jahr“ entstand 1963 und keiner wollte das Buch drucken. Es landete in der Schublade und wurde erst nach dem Tod des Autors wiederentdeckt.

Fante starb, verbittert und erblindet, am 8. Mai 1983. Sein Ruhm setzte später ein. Capus hat die Neuentdeckung gefördert, weil er den feinen Stil trifft, der selbst die tiefste Depression eines Protagonisten zum Lesefest werden lässt.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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