Friedrich-August-Hütte - Der Saal im Kasino in Friedrich-August-Hütte ist am Donnerstagabend voll besetzt. Auf der Bühne stehen Stühle, auf denen fünf völlig unterschiedliche Teenager Platz nehmen und einander ignorieren. Sie starren allesamt auf ihre Smartphones. „Smombies“ – eine Mischung aus den Worten Smartphone und Zombie, das Jugendwort des Jahres 2015 und der Titel des Theaterstücks der Jugendgruppe Tusculum der Niederdeutschen Bühne Nordenham De Plattdüütschen – feiert Premiere.

Das Thema des Stücks könnte aktueller nicht sein: Handys. Fast jeder Jugendliche besitzt eins der mobilen Telefone, die mittlerweile nur noch in den seltensten Fällen zum Telefonieren genutzt werden. Stattdessen werden Nachrichten über WhatsApp verschickt, Bilder auf Facebook geteilt und die neusten Videos auf YouTube angeschaut.

Auch die fünf Teenager in „Smombies“ sind der Handysucht zum Opfer gefallen. Während Jacky (gespielt von Mia Mahn) pausenlos Kopfhörer in den Ohren hat und Musik hört, hofft Anania (Jule Thormählen) auf eine große Resonanz auf ihre Facebook-Bilder. Auch Laura (Louise Thormählen) und Lucy-Marie (Katja Kramer) können ihre Smartphones nicht aus der Hand legen. Shindy (Darren Kuck) ist im Gegensatz zu den Mädchen süchtig nach einem Ego-Shooter, einer Art Kriegsspiel am PC. Wenn er nicht 14 Stunden täglich vor dem Laptop sitzt und spielt, wird er aggressiv.

Die letzte Rettung für die technikverrückten Jugendlichen: Sich in Therapie bei Dr. Nodani (Käthe Wiechmann) und Dr. Karnikehl (Dayline Wittje) zu begeben. Im „Haus Offline“ sollen die minderjährigen Mediensüchtigen, genannt „M & M’s“ versuchen, sich vom zwanghaften Griff zum Smartphone oder dem Laptop zu lösen. Dabei kommt es während der Einzel- und Gruppensitzungen nicht nur zu Wutausbrüchen und Reibereien zwischen Süchtigen und Therapeuten.

Das Stück stammt von Volker Zill und wurde von Andrea Thormählen, die Regie bei Tusculum führt, größtenteils ins Plattdeutsche übersetzt. Bei den Proben des plattdeutschen Ensembles assistierte Lena Mühlan. Das plattdeutsche Theaterstück soll Anstoß geben, die eigenen Gewohnheiten im Umgang mit dem Smartphone zu hinterfragen. Gleichzeitig gibt es jede Menge Lacher und viel Musik, die das Publikum neben den tollen schauspielerischen Leistungen der jungen Darsteller bei der Premiere begeistert.

Auch für die Pause hat sich die Gruppe etwas für ihr Publikum überlegt: Auf Stellwänden präsentiert sich das junge Ensemble selbst und zeigt Bilder der Probenphase. Außerdem können die Zuschauer in einer Ecke des Saals Selfies machen, um eine Erinnerung an den Theaterbesuch zu haben. Während der Aufführung gilt dann jedoch absolutes Handyverbot.

Weitere Aufführungen des Stückes finden am Sonnabend und Sonntag, 3. und 4. September, jeweils ab 19.30 Uhr im Kasino statt. Karten gibt es nur an der Theaterkasse.