Oldenburg - Leroy ist 17 und kraucht durch Berlin. Leroy liest gern Goethe und ist den Mädchen nur schüchtern zugeneigt. Ausgerechnet dieser Leroy – ein schwarzer Junge –, verliebt sich in eine Eva, deren Vater Politiker einer rechtsgerichteten Partei ist.

Wahrlich, Armin Völckers (51) hat Fantasie. Sein wilder Film über „Leroy“ begeisterte 2007 in den Kinos. 2008 bekam die satirische Liebeskomödie den deutschen Filmpreis (die „Lola“) gleich in zwei Kategorien: beste Filmmusik und bester Kinder- und Jugendfilm.

Völckers hatte Regie geführt und das Drehbuch geliefert. Nun kommt Völckers nach Oldenburg – aber nicht mit einem Film, sondern mit Ölbildern, die ab 26. Juni in der Galerie Lake gezeigt werden.

Auf der Filmpreis-Gala in Berlin hatten ihm 2008 noch viele Prominente die Hände geschüttelt. Man klopfte dem Gewinner ordentlich auf die Schulter. Aber, sagt Völckers heute, darauf dürfe man sich nichts einbilden. Und schon gar nichts erwarten. Gut getan hat ihm der Rummel kaum. Prominente kann man kennen, meint er, helfen können sie meist nicht. „Die haben eigene Probleme“, weiß Völckers, der inzwischen von seiner Malerei leben kann.

Seine Filmkarriere hat der 51-Jährige ad acta gelegt. „Über Jahre habe ich nach ,Leroy’ an einer Filmkomödie über eine therapeutische WG gearbeitet, dann hat die Produktionsfirma abgesagt.“ Das frustrierte: „Ich habe im Grunde umsonst im Filmgeschäft gearbeitet.“

Und das Preisgeld von der Lola? Die 250 000 Euro waren als Filmförderung zweckgebunden an eine Produktion, also nicht ihm persönlich zugedacht. Anders gesagt: „Vier Jahre habe ich für dann abgebrochene 90 Minuten Unterhaltung gearbeitet“, stöhnt Völckers, „das ist verrückt. Für welchen Nachruhm? Wozu?“

Geboren wurde Völckers 1963 in West-Berlin. Er studierte dort Malerei an der Hochschule der Künste. Seit 1997 arbeitete er auch als Produzent von Zeichentrickserien, Drehbuchautor und Regisseur. Zum Glück konnte er sich von Anfang an als Doppelbegabung begreifen. So kommt es, dass er momentan Malerei für spannender hält. „Meine Augen wandern gern über Bilder. Ich finde immer noch was Neues. In Bildern sehe ich mehr Möglichkeiten zur Entfaltung als im Film.“

Wie lange arbeitet er an einem Bild? Völckers lacht. „Zwischen sieben Jahren und zehn Minuten.“ Irgendwie sei man nie fertig, Monet habe seine Ölbilder ja auch bis zu 80-mal wieder abgewaschen, um sie neu zu gestalten. Völckers liebt das, dieses Überarbeiten, Übermalen, Collagieren. Auch von eigenen Gemälden. „Meine Bilder haben keine hehre Aura. Die könnten auf dem Flohmarkt stehen oder im Louvre hängen!“

In den Pariser Louvre hat es Völckers noch nicht ganz geschafft, aber den Flohmarkt hat er hinter sich. Autorin Patricia Highsmith (1921– 1995) kaufte einst ein Bild von ihm. Auch Musiker Paul McCartney griff zu. Selbst die Weltbank in Washington D. C. wollte eine Arbeit haben. Wozu da noch an Filme denken.