Holle - Die zur St. Dionysius-Kirche hinaufführenden Stufen waren festlich mit flackernden Windlichtern geschmückt, die Sitzbänke im Innenraum voll besetzt. Pünktlich um 19 Uhr begann am Sonnabend das Vokalquintett Berlin mit seinem Adventskonzert in Holle. Doch noch während der ersten beiden Stücke drängten weitere Besucher in die Kirche, Klappstühle mussten aufgestellt werden. Keine Frage: Der veranstaltende Kulturverein „Impuls“ landete mit der Verpflichtung des Vokalquintetts Berlin einen Volltreffer.
Nathalie Siebert (Sopran), Katja Kunze (Sopran), Jonny Kreuter (Alt), Martin Netter (Tenor) und Amnon Seelig (Bass) sangen Weihnachtslieder, zum Beispiel „Maria durch den Dornwald ging“, „In dulci jubilo“, „The little drummer boy“, „Senora Dona Maria“, „Vom Himmel hoch da komm ich her“ und „Es ist ein Ros entsprungen“. Die Sänger betteten ihr Repertoire in eine Kurzgeschichte von Margret Rettich („Als Weihnachten ausfiel“) ein. Im Mittelpunkt stand dabei das Ehepaar Schmidt, das – von der vorweihnachtlichen Hektik genervt – beschließt, Weihnachten ausfallen zu lassen. Stattdessen soll, wie an einem ganz normalen Tag, Hausarbeit erledigt werden. Weil dafür Waschpulver sowie Bohrer und Dübel fehlen, müssen sich Herr und Frau Schmidt widerwillig ins Festtagsgetümmel im Kaufhaus stürzen und verwechseln dabei die Einkaufstaschen mit anderen Kunden: Zu Hause kommen Lebkuchen, Äpfel, Kerzen und Kugeln zum Vorschein – und das Ehepaar feiert doch noch beglückt Weihnachten. Unmissverständlich steht die Botschaft im Raum: „Wir wollen Weihnachten“ – aber mit Besinnlichkeit und Ruhe, mit Plätzchen, Liedern und dem traditionellen Baum, den die Schmidts aus der Mülltonne hinterm Kaufhaus fischen, weil der Händler ihn nicht mehr verkauft bekam.
Für das Publikum in der St. Dionysius-Kirche war der Auftritt eine schöne Bescherung: Die Sängerinnen und Sänger beschenkten ihre Zuhörer mit exquisit vorgetragenem fünfstimmigen Liedgut und bekamen lang anhaltenden Applaus als Dankeschön. Weihnachten kann kommen.
