Oldenburg - Sie erzählt von ihren Träumen, er von der Anrichte seiner Großeltern. Beides verstaubt im Keller. Und zwar während sie, im schwarzen Abendkleid, und er, im feinen Anzug, im Kinderland eines Möbelhauses knietief im Dreck stecken. Auf allen Vieren wischen und schrubben sie weg, was der kleine Sohnemann lieber ins Bällebad statt in die Windel gemacht hat. Und man muss wohl nicht erwähnen, wo sich dieses idyllische Kinderparadies samt Köttbullar befindet. Der bloße Anblick des Paares inmitten bunter, vermutlich zum Himmel stinkender Plastikbälle ist zum Schmunzeln. In den kommenden 60 Minuten baden die beiden in sämtlichen Klischees des ganz normalen Wahnsinns junger Eltern.
„Köttbullar – Die Beziehungskomödie mit Schraubverschluss“, die jetzt im ausverkauften Theater Hof/19 Premiere feierte, ist kurzweilig und ein schöner Spaß für die Zuschauer. Das Stück kommt mit viel Live-Musik daher, angefangen von Herbert Grönemeyers „Zur Nacht“ über Annett Louisans „Eve“ bis zu Mike Krügers „Kalorien sind kleine Tiere“.
„Eigentlich wollten wir mal ein Stück ohne Musik machen“, erzählt Schauspieler, Musiker und Autor Jens Hasselmann nach der Premiere. Aber dann waren da so viele passende Lieder, auf die er und Kollegin Marie-Luise Gunst, die seit 2006 als Duo „die TONabnehmer“ arbeiten und in den Hauptrollen zu sehen sind, nicht verzichten wollten. Gemeinsam haben die zwei die Komödie entwickelt unter der Regie von Dieter Hinrichs vom Theater Hof/19. Sie spielen Gitarre und singen.
Dass Kinder ihrer klammen Windel ein erfrischendes Bad aus Bällen vorziehen, entspringt dem wahren Leben. „Das hat eine Freundin von uns gepostet“, verrät Hasselmann. In „Köttbullar“ säubern die zwei Protagonisten aber nicht nur die Kinderecke, sondern auch ihre Beziehung.
Wie Schneebälle verselbstständigen sich vermeintlich harmlose Bemerkungen zum Riesendrama. So wird aus „mach doch mal Pilates“ zum Beispiel: „Du findest also, ich bin zu fett“. Rosen von der Tankstelle zum Hochzeitstag werden genauso verhöhnt wie der Kinderwagen von den Schwiegereltern.
Am Ende schließt nicht nur das Möbelhaus, es haben sich auch alle wieder lieb. Oder, um es mit den Worten von Heinz Rudolf Kunze zu sagen: „Dein ist mein ganzes Herz.“
Karten: Tel. 9 55 56 01 oder
