Hude/Bookholzberg - Konzentriert sitzt Heide Beier am Tisch. Vor ihr ausgebreitet bedeckt ein weites Leinentuch das dunkle Holz. Mit einer Sticknadel sticht Heide Beier kurz in den festen Stoff, und nur einen Millimeter weiter holt sie den Faden wieder hervor, um ihn auf der Oberseite glatt zu ziehen. Stich für Stich ergibt sich dabei ein Bild. Auf dem Leinen lässt sich das Ergebnis schon erahnen – mehr als ein Drittel des Tuches wird schon von Tausenden dieser bunten Fäden geziert, die zusammen Szenen zeichnen – sie erzählen die Artussage.
Heide Beier hat sie mit dem sogenannten Klosterstich auf den Stoff gebracht. „Das ist meine Feierabendbeschäftigung“, sagt die Bookholzbergerin. Sie hat diese besondere Art des Stickens im Kloster Mariensee in der Nähe von Hannover gelernt. Die Technik wurde vor allem während des 13. und 14. Jahrhunderts in den Klöstern zur Fertigung von Teppichen verwendet.
Alte Technik
„Es ist zu schade, solch eine alte Technik in Vergessenheit geraten zu lassen“, sagt Heide Beier. Deswegen ist sie nicht nur selbst an den Abenden mit dem Sticken von Teppichen beschäftigt. Sie will auch anderen einen Einblick in diese Handarbeitsform geben.
Am kommenden Sonntag, 14. September, ist ab 11 Uhr mit dem Tag des offenen Denkmals eine gute Gelegenheit dazu. Da der bundesweite Aktionstag unter dem Motto Farbe stattfindet, haben die Freunde des Klosters Hude Heide Beier dazu eingeladen, den Klosterstich im Klostersaal vorzustellen.
„Man braucht gute Materialien“, sagt die Bookholzbergerin. Hochwertiges Leinen, ein Garn halb aus Wolle, halb aus Seide, eine Schere und Sticknadeln – „sonst nichts“. Vorkenntnisse benötigen diejenigen, die sich am Sonntag ausprobieren auch nicht.
„Meist sind es historische Erzählteppiche“, so die Bookholzbergerin über die Arbeiten, die mit dem Klosterstich angefertigt werden.
Sie selbst hat einige Geschichten in ihrem Haus auf Teppichen verewigt.
Größe ist entscheidend
In wenigen Bildern werden so ganze Sagen dargestellt. Je nachdem, wie groß das Stück Leinen ist, so lang darf die Geschichte erzählt werden. „Wenn ich weiß, ich habe Platz für 27 Szenen, lese ich eine Geschichte so lange, bis ich 27 Szenen im Kopf habe“, sagt Heide Beier.
So weit müssen die Teilnehmer beim Tag des offenen Denkmals in Hude am Sonntag noch nicht gehen – auf kleinen Stoffstücken wird zunächst geübt und so ein Hauch Farbe in den Klostersaal gebracht.
