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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wenn Flegel die Premiere stören

25.01.2016

Wilhelmshaven Unruhe kommt im Publikum auf, schnell ist der Moment des Fremdschämens da, es ist zutiefst unangenehm. Können sich die zwei Jungs in den vorderen Reihen des Stadttheaters Wilhelmshaven nicht benehmen?

Sie lachen, prusten, machen sich über die Darsteller lustig, werden von couragierten Zuschauern zurecht gewiesen, was sie herzlich wenig interessiert. Irgendwann wird es auch Schauspielerin Zenzi Huber zu bunt, schroff weist sie die beiden Flegel zurecht. Doch die sind Darsteller und auf Krawall gebürstet. Allein damit wird klar: Die Landesbühnen-Premiere von „Invasion!“ wird kein Wohlfühl-Theater.

Alles beginnt mit jenem Theaterbesuch einer Schulklasse, der keiner beigebracht hat, wie man sich im Theater benimmt. Einzig ein Name bleibt den beiden Jugendlichen hängen: Abulkasem. Schnell integrieren sie den Begriff in ihren Wortschatz, er wird zum Synonym für eigentlich alles. Und es verschafft ihnen auch mehr Selbstbewusstsein, wenn sie in die Rolle des Abulkasem schlüpfen. So reist der Name um die Welt und keiner weiß so richtig, wer oder was Abulkasem eigentlich ist. Ein Terrorist oder eine arabische Starregisseurin? Wem können wir eigentlich noch trauen?

Zuschauer gewarnt

Regisseurin Carola Unser hat in ihrer Inszenierung von „Invasion!“ nach der Vorlage von Jonas Hassen Khemiri ein absurd anmutendes Werk geschaffen. Sie warnt die Zuschauer vor: Gerade wenn man sich an etwas gewöhnt hat, passiert etwas Neues. Dabei kann es sein, dass zum Schluss einige Fragen offen bleiben. So kommt es letztlich auch.

Zu abstrakt und pointiert sind einige Andeutungen und Erzählstränge, zu sehr ist alles verworren, zu sehr überlegt man ständig, was dieses oder jenes wohl bedeuten könnte. Dennoch fühlt sich das nicht so unbefriedigend an, wie man meinen mag. Denn die Botschaft – oder die Lehre, die der Zuschauer für sich daraus ziehen möchte – ist klar: Leute, glaubt nicht alles, was man euch glauben lassen möchte. Macht euch ein eigenes Bild.

Besonders die schauspielerischen Leistungen des Ensembles stechen hervor. Mehrfach wechselten Gerrit Bernstein, Aom Flury, Zenzi Huber und Falk Seifert die Rollen. Bernstein brilliert unter anderem als aufsässiger Teenager, Flury zeigt sich wunderbar als unterdrückter Moderator einer vermeintlichen Expertengruppe.

Schwieriges Thema

Zenzi Huber mimt eine sympathische Dolmetscherin, die nur so übersetzt, wie sie mag und andere hören wollen. Falk Seifert zeigt eine besonders starke Bühnenpräsenz in seinem Schlussmonolog. Viel Authentizität verlieh zudem Tamim Noore der Inszenierung. Der Sudanese hospitiert derzeit an der Landesbühne und erzählte in einer kleinen Rolle auf arabisch seine Geschichte.

Anfangs etwas befremdlich wirkt die Bühne von Juliette Collas. Doch der prismenartige Bau zeigt sich als wandlungsfähige Fläche für Projektionen und als Bindeglied zwischen den Erzählsträngen.

Alles in allem ist Carola Unser ein Stück gelungen, das zwar einige Durststrecken, aber auch viele Stärken aufweist und humorvoll das immer schwierige Thema der Angst vor dem Fremden aufgreift.

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