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NWZonline.de Nachrichten Kultur

OPER: Wenn Gedanken fliegen können

01.09.2005

OLDENBURG Die frühe Oper von Giuseppe Verdi konnte überzeugen. Die Staatsoper Beuthen (Bytom) gestaltete den Abend.

von horst hollmann OLDENBURG - Wenn Barbara Krzekotowska ihren Sopran, den sie auch sanfter säuseln lassen kann, durchdringend in die Höhe schraubt, klingt das wie eine Kriegserklärung. Und wer es mit der machtgierigen Sklavin Abigail aufnehmen will, der muss sich warm anziehen. Die Zuhörer bei Verdis früher Oper ,,Nabucco“ auf dem gut gefüllten Schlossplatz tun das vorwiegend nach dem ersten Bild, aber auch nur mit leichten Jacken bei einem musikalisch und klimatisch selten getrübten Open-Air-Erlebnis.

Die Aufführung der Schlesischen Staatsoper Beuthen (Bytom) ist ein Fest für alle, die moderne Deutungen wie Falstaff im Altenheim (in Oldenburg), Don Giovanni an der Imbiss-Bude (in Genf) oder Romeo und Julia im Pennäler-Milieu (in München) verabscheuen – und nicht nur für die. Verdi ist ein Komponist, dem der szenische Realismus oft über die Hintergründigkeit der Bühnenvorgänge geht. Menschen sind bei ihm Menschen, keine Weltanschauungen.

In diesem Rahmen präsentieren sich die polnischen Musiker als ein Ensemble, das es in dieser Geschlossenheit nicht mehr oft gibt. Keine Stimme ragt wirklich heraus, aber auch keine fällt ab. Jede verstrahlt eigenen Charakter. Nabucco, der babylonische Nebukadnezar (Pawel Kajzderski), bringt einen weich timbrierten, trotzdem wuchtig ausladenden Bariton. Der Bass des Hohenpriesters Zacharias (Tadeusz Lesniczak) lässt hinter Strenge die Menschlichkeit blitzen. Durch empfindsame Stimmlyrik nehmen die Königstochter Fenana (Iwona Noszczyk) und Königsneffe Ismael (Mariano Brischetto) für sich ein. Die Polen kennen ihre Stärken und wohl auch ihre Grenzen, sie machen nicht nur Effekt, sondern wirklich Musik.

Hinzu kommt ein Chor, der nicht brüllt, sondern selbst die berühmte Hymne der gefangenen Hebräer ,,Flieg Gedanke“ fast filigran singt. Die Musik, eigentlich nur um diesen Schlager herum komponiert, dringt mit italienischem Furor aus dem Orchester, mit dem Dirigent Tadeusz Serafin die richtigen Portionen von Verdis Hm-ta-ta verabreicht. Und wenn sich ab und an eine Bläserstimme in den Vordergrund spielt, dann liegt das an der Mikrofonanlage, die den Klang aus dem seitlich platzierten Orchesterzelt zu den Bühnenlautsprechern trägt.

Auch die prächtigen Gewänder, die allzu heftige Bewegtheit im Geschehen um den hochmütigen, dann geläuterten König von Babylon einengen, gehören zum Sommer-Genre. Als Dienstkleidung etwa für Krieger dürften sie unpraktisch sein, für Gefangene hingegen sehr edel. Import-Quoten für Textilien müssen im Jerusalem und Babylon 587 vor der Zeitrechnung nicht gegriffen haben.

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