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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Max Ernst – Wenn Grenzen verschwimmen

01.04.2016

Brühl /Oldenburg „Wir haben nicht viel von Max Ernst, sagt Rainer Stamm, der Leiter des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg. „Aber was wir haben, das kann sich sehen lassen!“ Seine Aussage bezieht sich auf das eine dem Museum gehörende Gemälde (man hat daneben noch Arbeiten auf Papier) von Max Ernst: das „Gastmahl der Sphinx“.

Gegenwärtig ist das Werk in der kleinen Surrealisten-Abteilung im Obergeschoss des Prinzenpalais zu sehen. Das zu betonen ist wichtig, denn Stamm weiß: Das Werk von 1940 ist oft auf Reisen, ziert so manche nationale Schau. Zuletzt war es unter anderem im Frankfurter Städel zu sehen im Rahmen einer Ausstellung über die „Schwarze Romantik“. Max Ernst nutzte in dem Bild die Zufallsstrukturen, die sich beim Abziehen des Bildträgers von der frischen Farbe bilden. Das „Gastmahl“ ist in dieser Hinsicht ein herausragendes Beispiel für den Einsatz der Technik.

Musste vor den Nazis fliehen: Max Ernst BILD: Archiv/dpa

Mal-Techniken

Für seine Kunst nutzte Max Ernst (1891– 1976) verschiedene Techniken. Bei der Frottage (Abreibung) etwa legte er Papierstücke auf Holzbretter und zeichnete die Maserung mit schwarzem Bleistift nach. Auch das „Farbdripping“, bei der Farbe auf ein Bild getropft wird, geht auf ihn zurück.

www.landesmuseum-ol.de

Neben diesem Grund gibt es einen aktuellen Anlass, das 1981 als Geschenk des Niedersächsischen Kulturministeriums ins Museum gekommene Ölbild wieder anzuschauen, schließlich wurde der Künstler am 2. April vor 125 Jahren geboren.

Bekanntheit erlangte Max Ernst früh schon durch einen Skandal im Jahr 1926. Die Hand der Gottesmutter, die ihren Sohn übers Knie gelegt hat, geht da auf einem Bild auf den schon geröteten Allerwertesten nieder. Mit seinem Ölgemälde „Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen“ zog Ernst heftigen Protest auf sich. Das Bild passt zu dem Expressionisten, der auf provokante Weise die bürgerliche Logik und in diesem Fall auch noch die christliche Ikonografie aufs Korn nimmt. Der Künstler selbst liefert indes eine wenig ideologische und viel mehr biografisch geprägte Deutung.

Vater Philipp, der selbst gern malte und diese Leidenschaft an Max weitergab, hatte seinen Sohn gern als Jesuskind porträtiert. Diese sehr schmeichelhafte Verklärung bewahrte das Kind aber nicht vor der Strenge der Mutter. Diese erstreckte sich auch auf das Hinterteil, was das heute vom Kölner Museum Ludwig bewahrte Bild ausdrückt.

Max Ernst kam am 2. April 1891 in Brühl bei Köln zur Welt. Und genau 40 Jahre ist es her, dass er in Paris in der Nacht zu seinem 85. Geburtstag, am 1. April 1976, stirbt. Der Maler, Grafiker und Bildhauer gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Expressionismus und Surrealismus, die mit ihrer Kunst den herrschenden Ordnungsrahmen infrage stellten.

Schon als Schüler muckt Max gegen die strenge wilhelminische und katholische Erziehung und bürgerliche Konventionen auf. Als Student in Bonn wählt er die Fächer Altphilologie, Psychologie und Kunstgeschichte und „vermeidet sorgfältig alle Studien, die zum Broterwerb ausarten könnten“. Was ihm an Literatur in die Hände fällt, verschlingt er. Ähnlich ergeht es ihm mit der Malerei; „seine Augen trinken alles, was in den Sehkreis kommt“, so Ernst über Ernst und seine Liebe zu van Gogh, Matisse oder Macke. Seine Kunst verbindet sich mit dem Streben, Surrealem, Fantasie und Unbewusstem Ausdruck zu verleihen. Ein Gefühl für Naturphänomene wie Wald oder Vögel spielt da ebenso hinein wie die Fähigkeit, in Flecken und Muster auf der Tapete Bilder zu projizieren. Grenzen zwischen Traumwelt und Wirklichkeit verschwimmen. Es entstehen absurde Bilder, in denen auch Mischwesen auftauchen.

Viele Werke von Max Ernst spiegeln seine politischen Ansichten, so die Ablehnung des Krieges. Hierzu beigetragen haben eigene Erlebnisse als Soldat im Ersten Weltkrieg und später der Nationalsozialismus. Seine Werke gelten den Nazis als „degenerierte Kunst“, weshalb Max Ernst vor ihnen erst nach Frankreich und dann mit Hilfe von Peggy Guggenheim in die USA flieht. Mit der Kunstmäzenin ist er Anfang der 40er Jahre kurz verheiratet.

Nach dem Krieg kehrt Max Ernst 1953 mit seiner vierten Ehefrau, der Künstlerin Dorothea Tanning, nach Frankreich zurück.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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