Hammelwarden - „Tri tra trullala, der Kasperle ist wieder da“ – dieses Lied kennt wohl jedes Kind. Doch was passiert eigentlich hinter der Bühne? Zum internationalen Tag des Puppenspiels an diesem Freitag sprach die NWZ  mit den Puppenspielern Falko Kaselowsky und Siglinde Morisse. Seit acht Jahren reist das Paar mit ihrem „Steinbergers Puppentheater“ durch die Region.

Rund 50 Puppen gehören zu ihrem Fundus. „Pro Aufführung kommen etwa zehn Figuren zum Einsatz“, erklärt Morisse. Hinter der Bühne hängen die Puppen kopfüber aufgereiht an Haken. „So kann man schnell mit der Hand reinschlüpfen“, erklärt Kaselowsky. Jeder der beiden Puppenspieler hat hinter der kleinen Bühne seinen angestammten Platz.

Sie spielen immer zu zweit. „Sonst könnte man nur zwei Puppen gleichzeitig auf der Bühne haben“, sagt der 51-Jährige. „Als mein Mann einen Kapselabriss hatte, konnte er nur eine Puppe spielen, die anderen habe ich übernommen. Da musste ich ganz schön hin und her laufen“, sagt Morisse und lacht.

Zu ihrem Geschichten-Repertoire gehören Klassiker wie „Die entführte Prinzessin“ aber auch Stücke wie „Der kleine Heuler“, das sie zum Beispiel bei Auftritten an der Nordseeküste spielen. In ihren Geschichten können die Kinder immer etwas lernen. „Wir reden vor den Auftritten in Kindergärten nochmal mit den Erzieherinnen, was in dem Stück vorkommen soll, wie zum Beispiel, dass man nicht lügen darf, wie wichtig Hilfsbereitschaft ist, dass man nicht mit Fremden sprechen darf und so weiter“, erzählt Kaselowsky.

Flexibel müssen die Puppenspieler grundsätzlich sein, denn sie müssen spontan auf ihr junges Publikum reagieren. „Als in dem Stück ,Die verzauberten Waldtiere’ ein Kind aus dem Publikum gefragt hat, was Igel eigentlich essen, habe ich hinter der Bühne ganz schön geschwitzt“, erzählt Kaselowsky.

Die Puppenspieler versuchen bei jeder Vorstellung, ihr Publikum mit einzubeziehen. „Ohne das Publikum sind Puppenspieler gar nichts“, sagt der 51-Jährige. Und die Entwicklungen der vergangenen Jahre geben Grund zur Sorge. „Es geht zurück. Die Kinder spielen lieber Computer oder sehen fern anstatt ins Kasperletheater zu gehen“, erzählt Morisse etwas geknickt. „Der Trend geht dahin, dass nur noch Oma und Opa mit ihren Enkelkindern kommen“, sagt die 57-Jährige.

Auch einen geeigneten Spielort zu finden, werde immer schwieriger. „Manchmal werden Mieten von 450 Euro für einen Nachmittag verlangt, das können wir uns einfach nicht leisten“, erklärt Morisse. Doch wenn er die strahlenden Augen der Kinder sieht, weiß er wieder, warum er die Schwierigkeiten auf sich nimmt, sagt Kaselowsky.

Merle Ullrich
Merle Ullrich Redaktion Brake